Von Kambodscha nach Malaysia

Ich steige erstmal im Le Tonle Hotel ab. Eigentlich ein normales Hotel. Aber auch ein Projekt zur Ausbildung kambodschanischer Jugendlicher im Bereich des Hotelfachs. Einigen ist die Unsicherheit noch anzumerken. Aber das Bemühen und die Freundlichkeit sind einfach herzergreifend.
Ich war hier in Stung Treng schon mal vor genau 10 Jahren mit dem Fahrrad. Damals habe ich hier einen guten Freund gewonnen, Mr. T .Ich beschliesse ihn in seinem hoffentlich noch existierenden Hotel aufzusuchen. Das River Side sieht noch genauso aus wie vor 10 Jahren und ich bin noch nicht eingetreten, da werde ich auch schon mit dem so typisch nüchternen Kommentar begrüsst `Hey Frank, where have you been for so long?`
Dann wird der sonst so coole Khmer Mr T doch etwas sentimental und drückt mich erstmal für 2 Minuten an seine Brust. Ich meine sogar einen Glanz in seinen Augen zu erkennen . Bei mir ist das unübersehbar. Wir unterhalten uns erstmal über die Erlebnisse der letzten Jahre, er stellt mich seinem Kompanion, einem netten Spanier, mit dem er jetzt ein Transportunternehmen betreibt, vor, als ein Minibus anhält und Heloise aussteigt. Als wäre es das normalste der Welt, mich hier zu treffen.
Ok, sie hat es geschafft und wir beschliessen, an nächsten Tag nach Banlung, einem Ort im Osten des Landes, aufzubrechen.
Die Fahrt auf der neu erstellten Strasse ist ernüchternd. Entweder ziehen Palmölplantagen an uns vorbei oder Flächen, auf denen durch Brandrodung die Voraussetzung dazu geschaffen wird. Vom ehemaligen Dschungel keine Spur. Banlung selbst ist auch nicht gerade der Nabel der Welt. Aber es gibt zahlreiche schöne Wasserfälle in der Umgebung und natürlich den einmaligen Kratersee Boeng Yaek Lom. Kreisrund und umgeben vom Dschungel des Nationalparks ist das Schwimmen hier schon ein Erlebnis. Es soll hier angeblich ein Unterwasserungeheuer geben und so planschen die einheimischen Besucher mit ängstlichen Gesichtern nur am Rand etwas herum. Ich tu mal eben so, als würde ich gerade von dem Monster verschlungen werden und das Gekreische der entsetzten Kambodschaner lässt mich vor lauter Lachen fast wirklich ertrinken. Alle verlassen fluchtartig das Wasser, helfen will keiner.
Heloise hat nicht viel Zeit, muss wieder ihr Lehrerdasein in Vientiane fristen. Aber natürlich möchte sie hier in Kambodscha noch Angkor Wat besuchen.
So fahre ich sie kurzerhand nach Siem Reap. Es gibt eine neue Strasse von Stung Treng, die direkt dorthin geht. Zwar noch halb Schotter, spart man sich aber den riesigen Umweg über Kampong Cham. Und man kommt am Koh ker Tempel, einer kleineren Ausgabe von Angkor vorbei. Wir sind die einzigen Besucher, geniessen die Ruhe und den Ausblick von der hohen Pyramide. Die Anlage ist noch nicht allzu lange von den Minen der Khmer Rouge gereinigt und es ist nur eine Frage der Zeit, wenn die Touristenströme hier auftauchen. Aber noch ist es ein Geheimtipp.
Staubbedeckt erreichen wir Siam Reap und ich bin entsetzt. Das früher mal beschauliche Örtchen ist zu einem Ballermann verkommen. Es gibt sogar eine Pub Street, in der sich die Touries und Backpacker von Kneipe zu Kneipe hangeln können. Kaosan lässt grüssen.
Heloise verbringt ihren Tag in Angkor und kommt ziemlich geschockt zurück. Menschenmassen. Kein Foto ohne nicht mindestens eine Reisegruppe aus Korea oder China auf dem Bild zu haben.
Soll ja jeder mal vorbeischauen, aber ich beschliesse, meine netten Erinnerungen von einem entspannten Besuch im Kopf zu behalten und spare mir den Besuch.
Lieber warte ich Rosie für die bevorstehende Tour.
Heloise fliegt von hier zurück zu ihrem Job nach Vientiane und ich fahre zurück nach Stung Treng, habe ich doch Gepäck dagelassen und will auch den Mekong runterfahren. Eine letzte Nacht in meinem Lieblingshotel, ein erneuter Abschied von Mr. T mit der Aussage `See you in 10 years, man`und ich bin auf dem Weg nach Kratie. Die anfangs noch gute Strasse wird zu einer Tortur. Strassenbauarbeiten. Wobei von Arbeit nicht die Rede ist . Aber sie haben es zumindest geschafft, die wohl ehemals schlechte Strasse in einen steinzeitlichen Zustand zu versetzen. Kein Spass. Irgendwann gibt es aber einen kleinen Abzweig Richtung Kratie, der über eine winzig kleine Strasse durch unzählige am Ufer des Mekong liegende Dörfer geht. Man kommt zwar auch nicht schneller voran, dafür hat das Auge Spass. Es gibt unzählige Kleinbetriebe am Weg. Vom Schmied über den Ziegelbrenner bis zur Bäckerei von einheimischen Leckereien bieten sich viele interessante Zwischenstops. Kratie selbst hat eine touristische Infrastruktur durch die Möglichkeit, sich hier einige der letzten Süsswasserdelfine anzuschauen.
Ich lass mich drauf ein und bereue bitterlichst. Zwar sind nicht allzu viele Boote auf dem Wasser, aber sobald sich einer der Flusssäuger blicken lässt, halten alle darauf zu.
Ein erbärmliches Leben, immer verfolgt zu werden und nie seine Ruhe zu haben. Ich schäme mich.
Ich will noch mal nach Sen Monorom. Auch hier bin ich schon auf einer vorherigen Reise mit Nina gewesen. Damals war die Strecke nicht einfach zu meistern. Mit dem Motorrad ging es über schlammige Piste, durch dichten Regenwald mit Warnschildern für Minen, bis zu diesem Nest im Osten des Landes.
Heute ist davon nichts mehr zu erahnen. Die Strasse ist perfekt asphaltiert, Minenschilder sucht man vergeblich. Aber leider auch den ursprünglichen Dschungel.
Trotzdem hat sich meine Fahrt hierher gelohnt, habe ich doch eine meiner sonderbarsten Begegnungen auf meiner Reise.
Ich schwelge in Erinnerungen und besuche einen schon damals wunderbaren Wasserfall. Alles so wie früher.  Als ich von einer Gruppe alter Herren auf ein Bier eingeladen werde. Alle so um die 80. Es bleibt nicht nur bei einem Bier und irgendwann finde ich heraus, dass alle Senioren ehemalige Generäle  waren. Das Bier schmeckt zwar säuerlich, aber das Interesse ist geweckt. Nachdem wir alle ziemlich getankt haben, werde ich zum Abendessen in die Finka von einem von ihnen eingeladen. Ich soll abgeholt werden.
Und wirklich, zu verabredeten Zeit steht ein junger Kerl mit einer Enduro vor meiner Bleibe und nach langer Fahrt durch als Privatbesitz gekennzeichnetes Gebiet ,stehen wir irgendwann vor einem grossen Anwesen. Es wird getafelt und weiter getrunken. Ich versuche die ganze Zeit irgendwelche Informationen zu erhaschen, aber da sind die Jungs stringent.
Der Eigentümer lebt hier mit einigen bewaffneten Jungs, wie in seinem eigenen Reich. Wir trinken, schiessen auf imaginäre Ziele mit seinen  Waffen und dann kommt die ultimative Aufforderung es Abschieds. Wohl doch zuviele Fragen. Spooky. Wüsste ich es nicht besser, würde ich sagen: Ein netter Abend mit sehr gebildeten älteren Herren aus dem Seniorenheim.. Aber ich habe die Bilder von S 21 vor Augen….
Zurück in Kampong Cham wird meine Laune nicht wirklich besser. Zwar hat sich der Ort wunderbar herausgeputzt, im Gegensatz zu seinem früheren Zustand , aber ich bekomme eine bittere Nachricht . Mein alter Biker Freund , der hier eine Kneipe betrieben hat, ist an Aids gestorben . Ich treffe seine leider auch positive Frau und wir schwelgen mit Tränen in den Augen in Erinnerungen. Shit!
Langsam muss ich wieder Richtung Thailand, also auf nach Battambang. Fahren in Kambodscha finde ich mittlerweile ziemlich langweilig, fehlen doch die landschaftlichen Highlights. Battambang allerdings überrascht. Ein wunderschöner Ort am Fluss mit wirklich Flair. Ich treffe einen einbeinigen Amerikaner ( mit Prothese) auf seinem Fahrrad wieder, der mir auch prompt das netteste Hotel vor Ort empfiehlt. Ich nehme einen Tag Auszeit und geniesse die Biergärten am Fluss , die kleinen Cafés und guten Restaurants.
Dann die Einreise nach Thailand. Die Kambodschaner brauchen 10 Minuten und haben sogar einen Stempel für das vorher verlangte Carnet. Auf Thai Seite wird es etwas komplizierter. Erst Custom, dann Visa. Aber die Jungs beim Zoll sind super nett und nach einer Stunde habe ich wieder meine unzähligen Formulare zurück.
Wird Zeit, dass Thailand ein Carnet Land wird.
Ich habe genug Zeit, um mir die thailändische Küste in dieser Region anzuschauen. Erst in einigen Tagen will ich wieder bei Yut, meinem Mechanikerfreund in Bangkok sein. Es wird mal wieder Zeit für neue Reifen und einige andere Kleinigkeiten. Dazu kommt, daß ich von Forma aus Italien neue Stiefel und von Barkbuster neue Handprotektoren bekomme.
Ich mache Halt in Cape Mae Phim und wundere mich über die unzähligen Harleys, die an mir vorbeifahren. Also fahre ich einfach mal hinterher. Scheint ja irgendwo ein Nest zu sein.
Das Nest stellt sich als grosses MC Meeting heraus. und ich bin selbst mit meiner Gummikuh herzlich willkommen unter all den Kutten tragenden Rockern.
Yut übertrifft sich mal wieder selbst und Rosie erstrahlt nach 3 Tagen in seiner Werkstatt und neuen Teilen in erfrischendem Glanz.  Zeit, Richtung Malaysia aufzubrechen.
Ostküste runter bis Ban Krut. Es regnet wie aus Kübeln und ich entscheide mich, einen Zwischenstop einzulegen, bis es etwas trockener wird. Durch Zufall treffe ich ein österreichisches Paar wieder, das ich schon in Indien kennengelernt habe. Eine kleine Welt.
Aber auch die anderen Traveller an diesem schönen Fleck sind sehr unterhaltsam und lassen das miese Wetter vergessen.
Ich wechsle auf die westliche Seite Thailands und steuere Ranong an. Die Fahrt durch die Berge erinnert etwas an Nordthailand. Schöne Serpentinen und viele kleine Dörfer lassen keine Langeweile aufkommen.
Dann weiter nach Krabie. Ich beschliesse einfach auf ein kurzes Hallo im Frog and Catfish vorbei zu fahren. Hier hatte ich ja Sylvester mit Karin, Ursula und Kim gefeiert und habe Gary , Bua und das gesamte Team einfach lieb gewonnen.
Und natürlich bleibt es nicht bei dem kurzen Besuch. Ich soll bleiben und aus dem kurzen Hallo werden 9 Tage. Die Zeit an diesem paradiesischen Ort verfliegt wie nichts und ich hätte auch noch länger bleiben können, wäre da nicht die Sache mit der arrangierten Verschiffung des Mopeds von malaysia nach Sumatra.
Ich entscheide mich für die kleine Grenze in der Nähe von Satun und werde mit einer tollen Fahrt durch einen hier befindlichen Nationalpark belohnt. Auch die Beamten hier sind sehr entspannt und nach ein bisschen Gebäck und einer Tasse Tee sind alle Formalitäten erledigt. Ich bin in Malaysia.
Die Fahrt nach Penang ist eher langweilig. Entweder man fährt durch unzählige recht eintönige Ortschaften und muss unzählige Male an Ampelkreuzungen in der Sonne schmoren, oder man wählt die Autobahn und fühlt sich wie in Europa.
Ich ärgere mich schon etwas, dass ich nicht mehr Zeit habe, das Land intensiver zu bereisen, aber dafür hatte ich eine tolle Zeit in Krabie. Man kann halt nicht alles haben….
Dafür bin ich sehr begeistert von Penang, oder besser der Insel Georgetown, dem alten Teil der Stadt. Es war der Sitz der British East India Company in dieser Ecke der Welt und somit ein wichtiger Handelsplatz.  Heute ist Georgetown ein World Heritage Platz. Ich bin dankbar für den Tip von Gisela, einer Reisebekanntschaft, und finde das sehr günstige und sehr zentral gelegene Noble Hotel. Der Name ist zwar nicht Programm, aber die Atmosphäre ist nett.
Nur ich bin hier nicht zum entspannen, sondern muss sowohl die Verschiffung von Rosie nach Sumatra, als auch mein Visum für Indonesien und meinen Flug organisieren. Aber alles ist viel einfacher, als ich es mir vorgestellt hätte. Das 2 monatige Visum ist von einem auf den anderen Tag ausgestellt und nach dem Besuch des Büros von Mr. Lim, dem Agenten für die Verschiffung, sind auch soweit alle Fragen diesbezüglich geklärt. Ich bin nicht alleine und treffe Manuel und Ivana, er Spanier, sie Macedonierin, auf ihrer Yamaha Tenere. Auch sie wollen nach Indonesien und sind schon ein Jahr unterwegs.
2 Tage später kommt der Moment des Ladens unserer Mopeds. Wir folgen Mr.Lim auf seinem Scooter aufs Festland nach Butterworth zum Hafen. Es dauert einige Zeit, bis die Carnets gestempelt sind und dann geht es zum Schiff. Wir müssen endlos warten, bis dieser nicht gerade vertrauenserweckende Kahn entladen ist . Dann kommen die Bikes an den Kranhaken, schweben für einige Minuten in luftiger Höhe, dass uns der Atem stockt und sind dann im nu verstaut und verzurrt.
Die Jungs wissen, was sie tun. Beruhigend.
In 4 Tagen sollen wir unsere Fahrzeuge in Belawan, dem Hafen auf sumatrischer Seite, in Empfang nehmen können.
Also noch etwas das nette Georgetown geniessen und dann ab in den Flieger.

Gehackter e- mail account

Sorry, daß ihr diese verückten mails bekommt. Die Jungs versuchen Geld zu machen. Mir geht es gut. Ich bin nicht mit Nina in der Ukraine. Ich bin immer noch im Süden von Thailand und werde ohne Nina ( ich habe sie leider schon lange nicht gesehen) nach Malaysia weiterreisen. Aber nett, daß ihr euch gewundert habt. Hoffentlich habt ihr nicht reagiert. Das Problem sollte jetzt gegessen sein, hoffe ich. Hat mich viel Schweiss, der hier eh schon ohne Ende fliesst, gekostet. Danke

Laos-Auf alten Pfaden

Irgendwann muss die Party zu Ende sein. Zu viele nette Menschen in Chiang Mai, mit denen man seinen Tag geniessen kann. Also zurück nach Nan. Gut, die Tour kannte ich ja schon, aber trotzdem wieder nett. Nach einer Nacht weiter nach Thung Chang. Nette Serpentinen zur Grenze. Schön klein und überschaubar, die Atmosphäre ist sehr relaxt. Die Thai brauchen 5 Minuten und ich bin raus. Auf der laotischen Seite dann noch einmal 30, weil der Grenzer meinen internationalen Fahrzeugschein nicht lesen kann.Kommen nicht soviele Langnasen durch Ein chinesischer Trucker neben mir hilft. Sind schon pfiffig die Jungs . Visa für einen Monat und Custom für Rosie auch. 31 $ ärmer starte ich durch in ein neues Land. Na ja , durchstarten ist zuviel gesagt. VOLLBREMSUNG. Erst denke ich, hier gibt es ja Geisterfahrer. Bis mir einfällt: In Laos ist wieder Rechtsverkehr.Noch mal gut gegangen. Dann eine Strassenkreuzung. Geradeaus sieht gut aus. Geht aber direkt nach Luang Prabang. Ich will nach Pakbeng, am Arsch der Heide. Strasse sieht scheiss…. Ok, dann erstmal ein BEERLAO  und ab in die Pampa. Die Brücke soll ja immerhin vorhanden sein. Dann entpuppt sich die Strasse als gar nicht mal sooo schlecht und die Landschaft ist toll. Nur das mit der Brücke war eine Fehlinformation. Zwar wird eifrig gebaut, aber das kann noch dauern. Einige Trucks warten auf eine Überfahrt mit der Fähre, die jeweils nur ein Fahrzeug aufnehmen kann. Für ein Bike ist aber immer noch Platz und im nu bin ich auf der anderen Seite. Pakbeng ist ein verschlafener kleiner Ort, der erst am Abend, wenn die Boote mit Touristen nach und aus Luang Prabang einlaufen, zum Leben erwacht.
Ich will eigentlich am nächsten Tag weiter, bekomme aber die Nachricht über den Tod eines alten Freundes. So bleibe ich einen Tag, um das erst einmal zu verarbeiten.
Der Weg nach Oudomxai fängt spektakulär an, wir aber zunehmend langweiliger. Ein verstaubtes Kaff klebt an dem anderen. Ich merke, dass mir die Hiobsbotschaft von vorgestern immer noch in den Knochen steckt, ich mich nicht wirklich auf die Strasse konzentrieren kann und breche nach 140km in Oudomxai ab. Dieses sehr chinesisch orientierte Provinznest hilft nicht, mich auf andere Gedanken zu bringen. Ein Ramschladen nach dem anderen. Selbst eine nette Essbutze zu finden, fällt hier schwer.
Die Strasse wird noch schlechter auf dem Weg nach Nong Khiaw. Meist in den Kurven hat man wohl keinen Teer mehr gehabt und ich rutsche mehr als das ich fahre.
Ich war schon mal vor einigen Jahren mit dem Fahrrad in Nong Khiaw und habe es als wundervollen Ort in Erinnerung. Und, was soll ich sagen, er ist immer noch klasse. Bis auf ein paar mehr Guesthouses und Restaurants hat sich nicht viel getan.
Und ich treffe gleich 2 Biker wieder, die ich schon in Chang Mai kennengelernt habe. Lalo, ein Amerikaner, der um die Welt fährt, aber hier auf eine kleine 250ziger Honda zurückgreift und Uli aus Witten ( fast Dortmund), der in Singapore lebt und ein paar Monate auf seiner GS 800 durch Südostasien fährt. Dazu gesellen sich noch Oli und Charli, ein englisches Pärchen auf ausgedehnter Hochzeitsreise ( bisher 10 Monate) mit ihrer Africa Twin.
So ist für interessante Abendgeschichten schon mal gesorgt.
Uli und ich beschliessen, einige Zeit gemeinsam zu fahren , schliesslich sind wir beide BvB Fans und sollten uns dahingehend schon verstehen..
Eine mit unzähligen Kurven gespickte Strasse bringt uns auf unserem Ziel Viangxai, nahe der vietnamesischen Grenzei,  erst mal nach Viang Thong. Nach unzähligen Serpentinenkurven sind wir kurz vor einem Drehwurm. Zeit in diesem Gott verlassenen Kaff eine Nachtruhe einzulegen, Wir sitzen in einer Art Garage, die sowohl eines der einzigen Restaurants, als auch gleichzeitig das Wohn und Schlafzimmer der hier lebenden Familie beherbergt, und treffen zwei Bayern auf ihren 250zigern. Die ganze Familie sitzt eigentlich schon im Schlafanzug in ihrem WOHNZIMMER, während wir so tun, als wären wir in einer Gaststätte. Mangelnde Geselligkeit kann man den Jungs aus dem Süden ja nun wirklich nicht vorwerfen. Nach einigen Bier und vielen Tips von ihrer Seite ziehen wir etwas verkatert am nächsten Tag ein Haus weiter .
Viangxai diente der Pathet Lao, der Führung der kommunistischen Partei während des zweiten Indochina Kriegs, als Hauptquartier. Zum einen nutzten sie die unzähligen Höhlen als Schutz vor den unzähligen Bombardements der Amerikaner, zum anderen war die Nähe zum Freund Ho Chi Min von grosser logistischer Bedeutung. Die Amis befanden sich offiziell nie im Krieg mit Laos, was sie aber nicht davon abhielt,  2.000.000 Tonnen Bomben über dem Land abzuwerfen. Das entsprach in etwa 2 Tonnen Zerstörungskraft pro Einwohner. Zu sehen, unter welchen Entbehrungen sowohl die Führung, als auch Soldaten und Bevölkerung über 9 Jahre überwiegend in natürlich als auch mit extremen Anstrengungen künstlich geschaffenen Höhlen leben mussten, ist erschütternd. Die Landschaft mit seinen Limestone Bergen und unzähligen kleinen Seen wirkt heute überaus pittoresk. Wenn man sich aber bewusst macht, dass jeder kleine See ein Bombenkrater aus vergangenen Tagen ist, ändert sich die Sichtweise. Lonely Planet bezeichnet das als: `Von Menschenhand erschaffene Seen`. Klingt ziemlich amerikanisch.
Es verirren sich nicht so viel Reisende in diese Region, was wir beide sehr bedauern. Denn nur so kann man sich ansatzweise die Leiden vorstellen, die dieses Land ertragen musste.
Die Strecke nach Phansavan geht wieder durch beeindruckende Berglandschaft und mittelalterlich anmutende Dörfer, wären da nicht die vielen Parabolantennen und Werbeplakate für Mobilfunkanbieter. Kinder rennen den Motorrädern mit lauten Sawadee ( Hallo ) Rufen in fast jedem Dorf in Scharen hinterher.
Dann gehts ins Flachland. Schnell aber langweilig. Phonsavan ist nicht umbedingt der Nabel der Welt, obwohl es einige Restaurants gibt, die etwas Abwechslung
zu dem ewigen Reis und Nudel Allerlei bieten. Wir geniessen 2 riesige saftige Burger bei extrem ohrensersetzend lauter Musik. Klar, die Chinesischen Neujahr Festivitäten haben begonnen. Und was wäre dieses Fest ohne Chinesen.
Das erinnert uns daran, dass wir jetzt in DIE Metropole des Lao Tourismus, Luang Prabang, fahren und sind schlau genug, vorzubuchen.
Und das war eine gute Entscheidung. Zwar dauert es eine Zeit, bis Ulis Name der Buchung zugeordnet werden kann, denn Krumme hört sich nicht gerade chinesisch an, aber dann sitzen wir in einem netten Garten und sehen den gestressten Backpackern zu, die erfolglos , verzweifelt und verschwitzt ein Zimmer suchen. Alles ist belegt von Chinesen.
Wir fragen uns schon seit Tagen, was hier los ist. Immer wieder begegnen wir Konvois von riesigen Luxus SUVs mit chinesischen Kennzeichnen, die in Laos eingefallen sind. Nur dicke Geländekarren deutscher Hersteller. Aber alle Insassen  sind sehr angenehm in ihrem Verhalten uns gegenüber und überaus interessiert. So oft, wie ich abgelichtet werde, denke ich schon über eine Karriere in China nach.
Zum letzten Mal, als ich in Luang Prabang war, ging es hier einiges geruhsamer zu. Aber trotzdem scheint es, wurde das eingenommene Geld aus dem Tourismus in die Renovierung alter, netter Gebäude investiert. Man sucht vergebens nach Bausünden, der ursprüngliche Flair des Ortes ist erhalten geblieben.
Ich gönne natürlich jedem Chinesen die wunderbare Möglichkeit des Reisens, aber wie wird es aussehen, wenn 1,4 Milliarden Menschen diese Freiheit nutzen wollen und können?
Uli bekommt Besuch von einer sehr netten Bekannten aus Thailand. Und Anni, selber grosser BvB Fan, bringt uns sogar noch 2 aktuelle Trikots mit. Ich halte mich, ob der Leistung in der letzten Zeit zwar ein bisschen zurück, aber beide sind für die Tage hier hervorragende Botschafter unseres Vereins. Ich bin erstaunt, wie viele Thais und Chinesen sofort auf das Vereinslogo reagieren. Die Leistungen scheinen uns wirklich in der Welt bekannt gemacht zu haben.
Vang Viang war mal die Party Hochburg in Laos, bis die Gemeinde sich entschloss, dem einen Riegel vorzuschieben. Die Backpacker zogen sich hier nach dem Genuss etlicher Bier auch noch alle mit HAPPY gekennzeichneten Getränke und Speisen weg und ersoffen reihenweise  im Fluss, bei dem Versuch, wieder auf einen dahintreibenden Gummireifen zu klettern. Heute ersaufen die Chinesen, bei dem Versuch, überhaupt zu schwimmen. Dafür ist die Musik, die einen pausenlos  beschallt, beschissen geworden. Dann lieber ein paar bedröhnte gute DJs.
Deshalb zieht es uns auch weiter zum Nam Ngum Stausee. Tolle Aussicht, campen an einer Kneipe mit kulinarischer und flüssiger Versorgung und und schon fast kitschigem Sonnenuntergang.
Da es hier kein Weiterkommen gibt, wir werden an einem Tor eines Wasserkraftwerks unmissverständlich aufgefordert umzukehren, geht es zurück auf die Hauptstrasse Richtung Vientiane und danach nach Pakxan .
Wir wollen uns auf jeden Fall die Höhle von Kong Lor anschauen und machen uns zügig auf den Weg. Langweilige aber immerhin zügige Fahrt auf der Hauptstrasse Richtung Süden , aber dann nette Nebenstrasse auf der 8 und der Abzweigung zur Grotte. Nette kleine Dörfer säumen den Weg.
Der Ort bei Kong Lor befindet sich sichtlich im Umbruch. Es gibt bisher nur eine überschaubare Anzahl an Guesthouses und Restaurants, aber überall wird gebaut.
Aus dem Geheimtip wird bestimmt eine neue Touristenattraktion der Zukunft. Beim Besuch der Höhle können wir aber auch verstehen warum.
Ein Fluss fliesst hier ganze 7 km durch einen Berg. Man mietet also für kleines Geld ein Boot und einen Führer, der, nur mit einer Stirnlampe bewaffnet , den Weg durch die absolute Dunkelheit findet. Während er versucht, die kleinen Stromschnellen und Hindernisse zu umkurven, leuchten wir mit unseren Lampen die Seiten ab und finden wunderschöne Tropfsteinformationen. Nach einer Stunde treten wir aus dem Inneren des Berges hinaus und befinden uns im Dschungel. Man kommt sich ein bisschen vor, wie auf einem Fluss im Amazonas. Danach geht es dann den gesamten Weg zurück. Und wir sind uns einig: eines der beeindruckendsten Erlebnisse in ganz Laos.
Und wir treffen Lalo wieder. Irgendwie scheinen wir uns zu verfolgen.  Wir fahren gemeinsam  den Loop über den Nam Teun Stausee. Das Wasserkraftwerk ist eine Kooperation von Laos, Thailand und Frankreich.  Irgendwie sieht die geflutet Gegend mit den im See stehenden abgestorbenen Urwaldriesen aus , wie das Überbleibsel einer atomaren Katastrophe. Aber angeblich wird hier viel für den Naturschutz getan. Wollen wir das mal so glauben.
Lalos und unser Weg trennen sich wieder. Nach Thakhek und Pakse, zwei beschaulichen Orten am Mekong mit netter alter, französischer Architektur, wollen wir das Bolaven Plateau befahren.
Hier befindet sich das Haupt Kaffee Anbaugebiet von Laos und hier gibt es die meisten Wasserfälle des Landes. Die Wasserfälle sind ganz nett, aber sonst finde ich die Landschaft etwas öde. Bin vielleicht schon etwas verwöhnt. Aber wir treffen Lalo wieder. Irgendwie wird es mir langsam unheimlich.
Zurück in Pakse trennen sich Ulis und mein Weg. Er muss nach Bangkok, eine Freundin abholen, mich zieht es nach Champasak und das Gebiet der 4000 Inseln im Mekong.
Champasak ist ein verschlafenes Nest, nett gelegen, aber ein bisschen langweilig, wäre da nicht der Wat Phou, ein Tempel aus der gleiche Zeit wie Angor.
Aber es ist Festival im Tempel und es geht mehr zu, wie auf dem Jahrmarkt. Überall Verkaufsstände und Müll. Der ansonsten beschauliche Ort verkommt zum Rummelplatz. Und da ich Volksfeste hasse, vermache ich mich schnellstmöglich nach Don Khong.
Nach der Fährfahrt auf die grösste Insel der 4000 Inseln miete ich mich im Riverview Guesthouse ein. Ich treffe ein sehr nettes deutsches Paar auf Weltreise, Peter, einen Schweden und…. Lalo.  Gut, wir sind zwar ungefähr auf der gleiche Route unterwegs, aber das Gebiet ist gross und das  Timing ist schon ein bisschen spooky…Aber es kommt noch besser, dazu mehr im nächsten blog über Kambodscha. Lalo zieht es nach Don Det, der Backpacker Hochburg hier. Er folgt dem Ruf seiner Hormone und vermisst die netten, jungen Travelerinnen hier auf Don Khong. Ich will nur meine Ruhe geniessen.
Aber wie das Leben so spielt treffe ich schon am nächsten Tag meine neue Reiseabschnittsgefährtin. Aber wer weiss das schon?
Sie ist mit einem kleinen Bike aus Vientiane, wo sie als Französin für eine französische Schule arbeitet, angereist und will Kambodscha erkunden.
Nach einem langen Abend, an dem wir erkennen, dass die Chemie stimmt, beschliessen wir, gemeinsam aufzubrechen.
Ich habe ein etwas mulmiges Gefühl, habe ich doch gehört, dass schon einige Motorradfahrer die Grenze hier nicht passieren durften. Die Fähre ist schnell genommen, die Strecke bis zur Grenze kurz. Und dann die Überraschung. Ich darf mit meinem Carnet sofort einreisen.  Heloise, mit ihrem in Vietnam registrierten Bike , wird die Einreise strickt verweigert. Da hilft auch kein 50 $ Schein als Anreiz. Sie ist am Boden zerstört. Kein Kambodscha. OK, dann eben Plan B.
Ich mache ihr den Vorschlag, ihr Bike in Laos unterzustellen und auf Rosie durch Kambodscha zu reisen. Sie muss eh in 7 Tagen wieder unterrichten und kann ihr kleines Motorrad später abholen, wohnt sie doch in Laos.
Wir besiegeln unseren Deal mit einem Handschlag, sie kann wieder etwas lächeln und wir verabreden uns für den späten Nachmittag in Stung Treng, auf der anderen Seite der Grenze.
Dann mal sehen, ob sie das organisiert bekommt-

Land des Lächelns

Ein neues Jahr und allen das Beste. Mit dem Blog hinke ich wieder einmal etwas hinterher, aber nach den unsäglichen Strapazen der indischen und thailändischen Bürokratie habe ich mir eine Auszeit verdient. Ok, ist etwas lang geworden.

Meine Verschiffung aus Indien hatte ich mir etwas einfacher vorgestellt. Letztendlich frage ich mich, warum ich mir überhaupt eine Agentur genommen habe. Die ersten drei Tage in Cochin habe ich nur damit verbracht, eine Genehmigung zu erlangen, mein Motorrad selbst in den Hafen fahren zu dürfen. Denn eigentlich reise ich damit ja aus dem Land aus. Meine indischen Agenten, liebenswert, mitfühlend und planlos, verfolgten das ganze Prozedere mit dem typischen indischen Kopfnicken. Ich weiss bis heute nicht, was das bedeutet, aber sei es wie es ist. Meine Anwesenheit, die ich eigentlich vermeiden wollte , war beim Zoll unbedingt erforderlich. Erst beim Anblick meines schlechtlaunigen Ausdrucks gab es die notwendigen Stempel. Bei den Indern wieder nur Kopfnicken. In Gedanken sah ich sie schon auf der Ablage meines Autos als geschrumpfte Wackeldackel.
Irgendwann ist es dann soweit , alle Unterlagen und Stempel sind an der richtigen Stelle und ein schmalbrüstiger Schreiner versucht aus auf der Strasse gefundenen Holzresten eine Kiste um Rosie zu zimmern. Eigentlich will ich da nichts mehr von wissen und übergebe sie ihren Schicksal.
Wundert mich nur, dass sie mir nicht mit dem Vorderrad hinterher nickt…die Inder tun es.
Ich fahre zurück nach Bangalore in meine WG. Dann die nächste schlechte Nachricht. Der Container geht nicht wie geplant direkt nach Bangkok, sondern erst einmal nach Singapur. Habe ich also noch Zeit, denn was soll ich ohne Rosie in der Stadt der Engel. So buche ich einen Nachtbus nach Goa und besuche meine baskische Lieblingsfamilie, die es nach Amritsar und Manali über Nepal nach Agonda geschafft hat. Die Wiedersehensfreude ist riesig, wir verbringen eine feucht- fröhliche Zeit an einem der schönsten Strände Indiens. Zurück in Bangalore lädt mich  Venkatesh zusammen mit seinem Kumpel Unger zu einer 1000km Tour auf  Royal Enfields in den Dschungel von Karnataka ein. Wieder der Versuch, Tiger zu sehen, wieder einmal ohne Erfolg. Dafür Wildhunde, vom Aussterben bedroht und selten zu beobachten. Doch noch ein happy end. Trotzdem fällt mir der Abschied von `meiner indischen Familie´ extrem schwer. Snea, Dhanya, Venkat
esh, Coffee ( der Rottweiler) und ich hatten eine grandiose Zeit. Danke für diese Freundschaft.
So besteige ich mit einem lachenden und eine tränenden Auge den Flieger nach Bangkok, gespannt darauf, wie es Rosie auf hoher See ergangen ist.
Das von mir im Vorfeld gebuchte Guesthouse erweist sich als eine Bretterbude die nur über provisorische Holzstege zu erreichen ist. Lage direkt am Fluss und Freundlichkeit des Personals aber entschädigen. So bleibe ich, habe schliesslich schon andere Löcher bewohnt.
Die nächsten Tage stehen im Zeichen der ´Rosie aus dem Zoll Befreiung`. Meine indische Agentur hatte mir einen Agenten in Bangkok genannt, der sich meiner annehmen sollte. Der aber weigert sich kurzerhand. Damit habe er keine Erfahrung, ich solle mir doch jemand anderen suchen. Super. Ich kenne auch so viele ANDERE. Problem Nummer eins ist die Sprachbarriere. Die wirklich nette ältere Lady beim Zoll würde ja gerne, aber versteht mich nun mal nicht. So organisiere ich einen Dolmetscher und innerhalb eines Tages habe ich meine temporäre Einfuhrgenehmigung und das sogar für 3 Monate mit Option der Verlängerung auf insgesamt 6. Dann stehe ich endlich vor Rosie, immer noch in ihrem indischen Holzgewand. Die Thais lachen sich tot über soviel Schreinerhandwerk. Egal. Rosie hat alles unbeschadet überstanden und springt, nachdem ich sie aus ihren Sagrophag befreit habe, ohne Murren an, froh, endlich in die Freiheit zu entschwinden.
Das Entschwinden ist aber mehr ein Stop and Go durch Bangkoks Rushour. Beide völlig überhitzt erreichen wir die Werkstatt von Yut, dem besten BMW Mechaniker Bangkoks( wenn nicht Thailands). Rosie soll ein richtiges Facelift bekommen. Neue Pulverbeschichtung, Steuerkette, Pleuellager und noch so einige andere Dinge. Und Yut kann das!!
Irgendwann ist es dann soweit und ich stehe vor einer fast taufrischen Rosie. Ganz in Weiss( ich konnte das Bayern Blau nicht mehr sehen) und mit jungfräulicher Technik kann das Abenteuer Thailand endlich beginnen.
Während meiner Wartephase habe ich viele nette Menschen kennengelernt, unter anderem auch Ursula.
Sie möchte eine Motorradtour durch Nordthailand machen, hat auch schon in Chang Mai eine Honda gemietet, wäre aber froh, nicht allein fahren zu müssen. Neues Land, wenig Motorrad Erfahrung. Also nehme ich sie unter meine Fittiche und wir verabreden uns im Riders Corner, einer Bikerkneipe, in besagtem Chang Mai. Sie fliegt, ich fahre natürlich.
Gute 2 Stunden brauche ich allein um aus Bangkok herauszukommen. Ein Alptraum. Überall wird gebaut. Ein einziger grosser Stau. Dann eintönige Fahrt gen Norden auf der N1. Rosie schlägt sich besser als ich. Irgendwann beschliesse ich einen Nachtstop einzulegen. Aber anstatt eines Hotels finde ich nur Anlagen mit vielen kleinen Holzhütten, deren rote Lichter eher auf einen Puff hindeuten.
Die Müdigkeit siegt, ich lehne die Begleitung ab und beziehe für 8 € ein sauberes Zimmer. Nur das rote Licht nervt…
Ursula und ich beschliessen, den Mae Hong Son Loop zu fahren, eine Rundstrecke Im Nordosten, die nah an die burmesische Grenze führt. Legendär bei Motorradfahrern durch seine 1864 Kurven.
Das erste Ziel heisst Pai, ein ehemals ruhiges Marktnest der hier siedelnden Shan. Heute ist Pai ein bevorzugter Platz von Backpackern und thailändischen Touristen, wurden hier  doch 2 Schnulzfilme gedreht und so gilt Pai heute als Platz der Liebe für alle Schnulzenfans.
Die Fahrt dorthin könnte schön sein, wären da nicht die unzähligen Touribusse, die sich um die unzähligen Kurven schlängeln.
Auf den Strassen von Pai geht es ab wie auf dem Basar, nicht ganz so schlimm wie Khao San Road in Bangkok, aber viel fehlt nicht mehr. Die Umgebung aber ist wunderschön.
Danach, auf der Strecke nach Mae Hong Son, wird es merklich ruhiger. Nur wenige Pauschaltouristen verirren sich in diese Region. Das Cruisen macht unsagbar viel Spass, die vielen Kurven auf bestem Geläuf tun ihr übriges, um mir das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht zu nehmen.
Mae Hong Son ist ein beschaulicher kleiner Ort mit einem netten Wat ( Tempel) und einem angrenzenden See. Wir haben Glück und es ist Nachtmarkt. Ein Panoptikum an Ständen bietet alles feil, was man sich vorstellen kann.  Wir schlagen uns den Magen mit undefinierbaren Grillwaren voll, von denen ich gar nicht wissen möchte, aus welchem Körperteil geschweige denn von welchem Tier sie kommen. Dazu spielt eine um Spenden bittende Schülergruppe um die 7 Lebensjahre wie die Duracellhässchen immer wieder Zombie von den Cranberries. Absurder kann es nicht werden…
Von Mae Hong Son kann man einen Abstecher in eins der Langhals-  oder Padaungdörfer machen. Dieses eigentlich aus Myanmar kommende Karenvolk ist zu einer der Touristenattraktionen in manchen Ecken Thailands verkommen. Wir müssen einige Zeit schlechte Piste auf uns nehmen, um zu einem der abseits des Touritrails gelegenen Dörfer zu kommen.  Klar, auch hier will man Textilien und Schmuck verkaufen, aber Farangs ( Langnasen, Bezeichnung für uns Bleichgesichter) sehen wir keine.  Schon mit ca. 5 Jahren bekommen die kleinen Mädchen ihre erste Halsspirale angelegt. Irgendwann kann das ganze Ding bis zu 30cm hoch werden.  Na ja, wer es mag….
Wieder traumhafte Fahrt hoch in die Berge. Ziel ist ein Wasserfall, der sich aber eher als Lachnummer herausstellt. Abgesehen von dem Rinnsal ist die Tour aber atemberaubend. Wildblumenfelder und Almen lassen an die Alpen denken, wären da nicht die Bambushütten und vor allem die Wasserbüffel, die mit ihren riesigen Haufen immer wieder für Adrenalinschübe in den glitschigen Kurven sorgen.
Mae Sariang, so gar nicht auf der Liste der meisten Reisenden, hat wirklich Charme. Nette günstige Guesthouses, klar, der obligatorische Markt mit neuen nicht unbedingt immer vertrauenserweckenden kulinarischen Köstlichkeiten und ein kühles Blondes mit einem tollen Blick auf den Fluss und das idyllische Hinterland.
Wir entscheiden uns für den ausgedehnteren Mae Hong Son Loop und fahren weiter nach Mae Sot. Denn Weihnachten ist nicht mehr weit und Sukhothai könnte ein netter Ort sein, um auf den alten Jesus anzustossen.
Nach Mae Sariang wird die Strasse ziemlich mies, Schlaglöcher un masse. Aber schon wird eifrig gebaut. Die Thais sind schon ein emsiges Völkchen. Sollten die Inder sich mal eine Scheibe von abschneiden.
Mae Sot hat, bis auf einen Schweizer mit einem unglaublichen Mitteilungsbedürfnis, odrrrr, nicht viel zu bieten und wir sind froh, schnell nach Sukhothai abhauen zu können.
Sukhothai war mal ein altes Königreich und hat heute noch so allerhand alte Steine zu bieten. So machen wir erst einmal eine grosse Besichtigungstour und zollen den alten Pagoden unseren Respekt.
Heilig Abend verbringen wir mit Bier und Wodka, Chips und Keksen. Nicht gerade das klassische Weihnachtsessen, aber Hauptsache Spass!
Zurück in Chang Mai werden schon die nächsten Pläne geschmiedet. Ich will meine australischen Freunde Karin und Kim besuchen, die sich für 2 Wochen in Krabi aufhalten. Eigentlich wollte ich mit dem Bike runterfahren. Da mir der Norden aber so gut gefällt und ich mit Ursula noch den Golden Triangle und den Nan Loop fahren möchte, stelle ich Rosie im Hollanda Montri Guesthouse bei dem freundlichen Holländer Lucas unter und fliege. Ursula hat Liebeskummer und möchte Sylvester nicht allein verbringen. Also pack ich sie kurzerhand auch noch ein und nach ein paar Stunden stehen wir  einen Tag vor Sylvester am Flughafen von Krabi. Die beiden wohnen ausserhalb in einem Resort und leider weiss kein Taxifahrer, wo sich das Dorf mit dem lustigen Namen Din Daeng Noi den nun befindet. So verbringen wir noch einmal geschlagene 2 Stunden mit der Suche und kommen völlig entnervt in der Dunkelheit an. Dann grosse Wiedersehensfeier…..
Am nächsten Tag organisieren wir uns 2 Scooter, denn ganz ohne Mopeds geht es einfach nicht. So sind wir in unserer schönen Eremitage( das Frog and Catfish ist wirklich ein Traum ) zumindest etwas unabhängig. Sylvester bleiben wir im Hotel und feiern mit den Besitzern Gary und Bua und den anderen wenigen Gästen. Nur Kim ist leider nicht so wirklich mit von der Partie, hat sie sich doch schon am 3. Tag den Magen verdorben. Guter Start würde ich sagen. Und das Pech ist auch weiterhin auf ihrer Seite.
Wir fahren zum Ao Nang Beach. Grosser Fehler. Nicht nur weil der Ballermann dagegen ein Kurort ist, sondern weil Kim, beim Versuch den Scooter zu wenden, ins Schleudern kommt und gegen einen nagelneuen Pickup knallt. Ihr ist Gott sei Dank bis auf ein paar Blutergüsse nichts passiert. Aber die Delle im Auto will bezahlt werden. Nach langem Feilschen einigt man sich auf 250€. Teuere Miete, arme Kim. Sie steckt das mit einem Schulterzucken weg und sitzt am nächsten Tag wieder auf dem Bike. Das Umland zu erkunden mach Spass und entschädigt für den Trubel und Stress am Vorabend.
Gary empfiehlt uns eine Kanutour durch die Mangroven. Also werden wir am folgenden Tag abgeholt und paddeln kurze Zeit später in zweier Kanus durchs offene Meer auf  die Felsformationen an der Küste zu. Ganz nett, wenn wir alleine wären. Aber mit uns paddeln um die 30 anderen Boote. In den schmalen Kanälen durch den Mangrovenwald geht es zu wie in der Rushhour in Bangkok. Erschwerend kommt hinzu, das die wenigsten ihre Kanus wirklich beherrschen. Immer wieder bleiben sie in den Luftwurzeln hängen oder rammen uns. Ein Alptraum, braucht kein Mensch.
Die Mädels wollen noch nach Ko Lanta, haben auch da schon eine Unterkunft gebucht. Wir entschliessen uns, noch für einen Tag mitzukommen und zumindest etwas Strand zu geniessen.  Die Fähre ist wieder einmal kein Spass. Komplett überfüllt.
Die Anlage aber ganz nett, das Essen dank des französischen Besitzers ausgezeichnet und der Strand wie im Bilderbuch.
Noch eine letzte gemeinsame Feier und dann am nächsten Tag mit dem Taxi zum Krabi Airport.
Die Bikes sind noch so, wie wir sie verlassen haben und nach einem Detox Tag geht es wieder mal auf herrlichen Strassen in den Norden nach Tha Ton. Unser Ziel ist der nördlichste Punkt Thailands und dann das Gebiet um Nan.
Tha Ton ist ein nettes verschlafenes Dörfchen an einem idyllischen Fluss. Es gibt einen schönen Wat auf dem Berg mit einem spektakulären Ausblick auf das gesamte Umland.
Der Ritt nach Mae Sai gestaltet sich etwas kompliziert, dank meines in die Jahre gekommenen GPS. Wir wollen über Mae Salong fahren und verpassen natürlich die Abzweigung. Also zurück. Dann eine winzige Strasse hoch. Endlich angekommen erst einmal Mittag essen. Drei Wandermönche kommen in die Garküche, haben aber kein Geld für ihre Kost. Nach dem Prinzip, jeden Tag eine gute Tat, laden wir sie zum Essen ein und sie schlagen rein wie Blücher. Dann schickt uns das Navi die verkehrte Strasse weiter und wir landen wieder an dem Ort vom Morgen.  Doch wir finden noch einen anderen Einstieg zur 1149, die abenteuerlich direkt auf einem Kamm an der Grenze zu Myanmar lang führt.
Ursula ist auf Grund einiger extrem steiler Passagen mit den Nerven am Ende und sieht etwas bleich aus als sie bei unserer Ankunft in Mae Sai den Helm abstreift. Mae Sai selbst ist eine typische Grenzstadt und hat, bis auf unzählige Verkaufsstände, nichts zu bieten. Wir wohnen direkt am Grenzfluss und beobachten immer wieder wie Leute aus Myanmar nach Thailand waten. Möchte gar nicht wissen, was sie in ihren Plastiktüten so alles rüberschaffen.
Die Fahrt nach Chiang Khong über Chiang Saen ist wieder einmal wunderbar. Irgendwann treffen wir auf den Zusammenfluss des Ruaks mit dem mächtigen Mekong. Tolle Aussichtspunkte laden in regelmässigen Abständen zum Verweilen ein.
Die nächste Station ist Chiang Rai. Ein bisschen wie der kleine Bruder von Chiang Mai ist es hier wieder sehr touristisch. Eine Bar und ein Restaurant am anderen, ein Nachtmarkt mit all dem Plunder den Touristen gern mit nach Hause schleppen. Nichts wie weiter!!
Der Hauptgrund, weswegen wir nach Chiang Rai gekommen sind ist Wat Rong Khun, der weisse Tempel. Ein bisschen wie die Sagrada Familia in Barcelona wird auch hier noch permanent gebaut. Doch die Menschenmassen lassen uns auch hier nur kurz verweilen. Auf nach Nan, eine kleine Provinzstadt im Osten nah der laotischen Grenze. Nan dient uns als Ausgangspunkt für einige Ausritte in die spektakuläre Berglandschaft. Diese Ecke ist für mich die schönste Bikegegend in ganz Thailand. In endlosen Serpentinen schrauben wir uns auf über 1700m. Hinter jeder Kurve warten grandiose Ausblicke. Schöner kann Motorradfahren nicht sein.
Nur Ursula guckt etwas betrübt in Anbetracht ihrer baldigen Abreise. Eigentlich wollte ich von hier Richtung Laos fahren, entscheide mich aber dafür, Ursula bis nach Chiang Mai zu begleiten. Eine kleine Abschiedsfeier muss schon noch sein. Ich werde sie vermissen. Sie war für 4 Wochen und über 3000km eine super Reisepartnerin. Also jetzt auf nach Laos!!

Indien- Auf dem Weg nach Cochin

Schon eine Weile her, dass ich den Blog aktualisiert habe, aber Indien lässt einem kaum Zeit zum Durchatmen. Jetzt sitze ich in Cochin und warte auf die Verschiffung von Rosie nach Thailand. nach vergeblichen Versuchen, eine Einreisegenehmigung für Myanmar zu bekommen, habe ich es irgendwann aufgegeben und mich für diese Option entschieden, aber dazu später mehr. Alles von Anfang an…….
Die Grenzabfertigung ist bezeichnend. Auf pakistanischer Seite wird alles sehr laissefair gehandhabt und ich bin schnell mit allem fertig. Dann kommt die indische Bürokratie. Etliche Zettel wollen ausgefüllt werden und akribisch werden die Gepäckstücke untersucht. Zuletzt wird sogar noch ein Drogenhund angeschleppt. Der noch nicht ausgewachsene Labrador weiss allerdings nicht so recht, was er hier machen soll und sieht Rosie mehr als Spielobjekt. Als er dann noch gegen mein Vorderrad pinkelt, kann ich das lachen nicht mehr unterdrücken und ernte erzürnte Blicke.
Nach einer Stunde ist auch der letzte Stempel in meinen Unterlagen und ich bin wieder mal in Indien auf dem Weg nach Amritsar. Ich steuere Mrs Bhandaris Guesthouse an. Für nur 200R kann ich hier mein Zelt in einem wunderschönen Garten aufstellen, darf den hauseigenen Pool benutzen und mich von der Hektik der vergangenen Tage erholen.
Ich treffe meine baskischen Freunde aus Islamabad wieder und so vergehen die Tage wie im Flug. Klar, ein Besuch des für Sikhs heiligen goldenen Tempels ist natürlich Pflicht. Am Abend ein beeindruckendes Schauspiel. Angeleuchtet glänzt er wie Fort Knox. Witzig ist, dass ich bei Eintritt einen Aufpasser anhauchen muss um sicher zu gehen, dass ich auch keinen Alkohol getrunken habe und den heiligen Ort entweihen könnte. Und natürlich kommt das, was mich die folgenden Monate täglich verfolgen wird: ich werde gefragt, ob man ein Foto mit mir schiessen dürfe. Ein Indisches Hobby. Jeder brüstet sich sofort auf Facebook mit seiner neuen Bekanntschaft. Das zum Thema Privatsphäre.
Ich möchte nach Jaipur und Thomas, einen alten Kumpel, der dort schon seit Jahren lebt, endlich mal wieder besuchen. Erster Zwischenstopp ist Delhi. Eigentlich ist der National Highway ganz ok, wären da nicht die unzähligen Umleitungen. Irgendwie hat man wohl vergessen, die Strasse zu Ende zu bauen und man macht  keine Anstalten das Werk zu vollenden. So ziehen sich die 470km unendlich hin und erst in der Dämmerung erreiche ich die Hauptstadt.
Zwar war ich schon einige Male hier, aber durch die rapide Entwicklung kann ich mich an rein gar nichts erinnern. Erschwerend kommt hinzu, das fast alle Verkehrszeichen auf Hindi sind und es auch noch anfängt wie aus Kübeln  zu regnen. Und zwar so stark, dass ich in einem Polizeihäuschen Unterschlupf suche.
Aber wie das in Indien nun mal so ist, hat das Blechdach unzählige Löcher. So stehen 2 Polizisten, 4 weitere Mopedfahrer und ich dicht an dicht wie die Sardinen in der Büchse an der einzigen Stelle, wo es nicht durchregnet . Nachdem ich eine Stunde lang die Körpergerüche der Leidensgenossen geniessen durfte, ziehe ich den Regen vor und mache mich auf den Weg. Das Wasser steht so hoch, dass unzählige havarierte Kleinwagen die Strassen versperren.  Und der Regen hört nicht auf. Völlig durchnässt gebe ich irgendwann auf und checke in einem für meine Verhältnisse viel zu teuren Hotel ein. Hauptsache heisse Dusche…
Jaipur empfängt mich mit Sonne und Thomas mit einigen Flaschen Carlsberg. Ich verbringe die Tage mit Sightseeing, einigen Reparaturen an Rosie und langen Gesprächen mit meinem alten Kumpel. Einer seiner Kollegen organisiert dann auch noch einen Interviewtermin bei der meistgelesenen Tageszeitung vor Ort. Klar, warum nicht. Kurzes Gespräch, kurzes Fotoshooting, das wars. Der Konsequenzen war ich mir allerdings nicht bewusst. Am nächsten Tag werde ich von halb Jaipur um ein gemeinsames Foto gebeten, jeder erkennt mich wieder aus der Rajasthan Patrika und zeigt stolz auf das Bild. Ich beschliesse zu flüchten.
Aber selbst in Jodhpur wird es nicht besser und es soll noch in ganz Rajasthan so weiter gehen..
Nach dem Besuch des Forts hält mich in Jodhpur nicht so viel. Irgendwie zu viel Touristen und damit Nepp.
Ich möchte mir auf dieser Indientour Orte ansehen, die ich bei meinen letzten Reisen hierher nie besucht habe. Und dazu gehört Jaisalmer, ganz in der Wüste Rajasthans. Die Fahrt geht durch wunderschöne Wüstenlandschaft, durch kleine beschauliche Dörfer, in denen die Menschen noch vielfach die traditionelle Kleidung der Rajputen tragen.
Auch Jaisalmer ist für das grosse Fort bekannt. Touristen wollen aber auch von hier aus die nahen Dünen mit Kamelen erkunden. Da ich Kamele hasse ( haben üblen Mundgeruch und verursachen Seekrankheit), spare ich mir diesen Schnickschnack und setze lieber auf Rosies Pferdestärken.
Das schöne an Jaisalmer ist die Tatsache, dass man hier auch innerhalb des Forts leben darf. Mein Guesthaus hat einen grandiosen Blick auf die Wüste und das Schlendern durch die engen Gassen hat echte Exotik. Auch kommt es mir vor, als würden hier die Verkäufer weniger aufdringlich sein als anderswo. Also alles in allem ein sehr chilliger Ort, wäre da nicht die Hitze. Ich brauche mal wieder eine Hillstation mit gemässigtem Klima. Meine Wahl fällt auf Mount Abu, auch noch nie besucht und bekannt für einen der schönsten Jain Tempel des Landes.
Wieder Fahrt auf schlechten Strassen durch schöne Landschaft. Die Regenzeit ist noch nicht zu Ende und alles erstrahlt in sattem Grün. Überall auf den Feldern arbeiten die Bauern , vielfach noch mit Hilfe von Ochsen, um eine gute Ernte zu erzielen.  Archaisch, aber fotogen.
Durch dichten Wald gehen die Serpentinen auf den heiligen Berg. Affen am Strassenrand schrecken von Rosies Geknatter auf und blecken aus Angst die Zähne. Die Ausblicke sind spektakulär.
Leider hat Mount Abu den Nachteil, einer der einzigen hohen Berge in der Gegend zu sein und so regnen sich die Wolke hier gerne mal aus.
Wie auch heute und den kommenden Tag und…..
Ich beziehe eine Art Wintergarten auf dem Dach meines Guesthouses, der den Vorteil eines tollen Panoramas und den Nachteil einiger zerbrochener Scheiben hat, sodass Vögel als auch Mücken ungehindert rein und raus können. Egal, gross, sauber und günstig. Meine Lungen sind durch die Abgase der Strasse schon so in Mitleidenschaft gezogen, da kommt es auf einige Mückenspiralen auch nicht mehr an.
Mount Abu selbst hat nicht wirklich viel zu bieten, wäre da nicht die grandiose Berglandschaft mit den berühmt, berüchtigten Lippenbären und dem Delaware Tempel. Die Lippenbären belästigen gerne mal ahnungslose Touristen oder fallen Nachts in den Ort ein, um nach Verwertbarem zu suchen. Ich sehe 3 in der Dunkelheit. Klasse, kein Foto möglich, genausowenig wie vom Tempel. Fotografieren verboten. Aber dafür die beeindruckendste Steinmetzkunst, die ich jemals bewundern durfte. Leider eine vergessene, wenn man sich die feilgebotenen Statuen der Touristenstände vor dem Tempel anschaut. Das ist mehr so Bildhauen für Hausfrauen Volkshochschulkurs 1( sorry, liebe Hausfrauen, passte gerade so gut).
Einer der Bundesstaaten, die ich nie besucht habe, ist Gujarat. Hier ist nicht nur die Geburtsstätte von Mahatma Gandhi, sondern auch der einzige Ort, an dem man mit sehr viel Glück die einzigen Löwen ausserhalb Afrikas antreffen kann. Ich natürlich nicht. Dafür geht die Fahrt durch eine beeindruckende Salzmarschlandschaft mit unzähligen Vogelarten. Ich möchte nach Diu, einer ehemaligen portugiesischen Enklave. Innerhalb der Woche beschaulich und ruhig mit nur wenig Verkehr wird Diu am Wochenende und an Feiertagen zum Saufmekka der Gujaratis.
Denn Gujarat ist ein dry state, heisst, es gibt KEINEN Alkohol zu kaufen und Diu hat da einen Sonderstatus. Das billigste Bier in Indien ( mit Goa). Klar schiessen sich hier die Jungs ab wie nichts gutes und gehen dann auch gerne mal ne Runde schwimmen. Keine gute Kombination, wie die Anzahl der bereits Ersoffenen zeigt.  Ich finds lustig, wenn sie wie Kleinkinder im Wasser rumplantschen…
Diu hat mit seinen alten, zum Teil verfallenen portugiesischen Häusern so ein bisschen den morbiden Charme von Havanna. Mir gefällt es jedenfalls. Ich wohne zudem noch in einer alten Kirche von 1600 und überblicke vom Klo aus die halbe Insel.
Die Strassen in Gujarat sind noch schlechter , als im Rest des Landes und die nur 240km bis zu meinem nächsten Ziel, dem Weltkulturerbe von Champaner ziehen sich bis in die Dunkelheit. Ich habe es schon aufgegeben, noch ein anständiges Hotel zu finden, als auf einmal ein Palast aus Glas vor mir steht. Wahrscheinlich viel zu teuer, aber frage kostet nichts. Und es hat sich gelohnt. Für 1200Rs bekomme ich das bis dahin beste Zimmer in Indien mit Zimmerservice und riesigem Flatscreen TV. Macht auch mal Spass nach langer Zeit. Nach dem zweiten Film schlafe ich mit einem Lächeln ein.
Champaner ist berühmt für die uralten Moscheen und auch sonst ist die Gegend mit einem grossen See und vielen ursprünglichen Dörfern sehr schön , um mit Rosie gemütlich durch die Gegend zu tuckern. Die Kinder jubeln und finden es toll, die Herden von Wasserbüffeln weniger. Die mögen keine lauten Motorräder und man muss etwas aufpassen, wiegen sie doch mindestens das doppelte von Rosie.
ich habe immer noch nicht genug von alten Steinen und will zu den Höhlen von Ajanta und Ellora.
Erst wieder grottenlangweilige Fahrt auf dem NH 8 wo nur das umkurven der LKWs etwas Abwechslung bietet, dann aber Richtung Westen auf den NH 360 Richtung Staatsgrenze. Die Szenerie ändert sich, es geht vorbei an Reisfeldern und auf kurvenreicher Strecke durch den Vansda Nationalpark, berühmt für seinen Leopardenreichtum. Dann windet sich die Strasse die Berge hoch nach Saputara und ich überquere die Grenze nach Maharashtra. Nach einer kurzen Nacht weiter durch das Weingebiet Indiens. Sieht ja nett aus, schmeckt aber nicht. Hat mehr was von Lambrusco aus der 2 Liter Pulle.
Ajanta ist ein nur sehr kleiner Ort mit ein paar Hotels und hat bis auf die Höhlen nicht sehr viel zu bieten. Die aber haben es in sich. 29 Höhlen wurden hier im 5ten Jahrhundert von Buddhisten in den Fels getrieben. Pro Höhle dauerte das etwa 30 Jahre. Irgendwann wurden die Buddhisten vertrieben und erst bei einer Tigerjagd entdeckte ein englischer Offizier sie im 19zenten Jahrhundert wieder. Unweit der Höhlen befinden sich Kaskaden von Wasserfällen, an denen man in der Trockenzeit Tiger beim Trinken antreffen kann.
Ich treffe Ali einen Mineralienhändler und lerne seine Familie kennen. Sein Bruder führt mich fachkundig durch die Höhlen und abends sitzen wir bei leckerem Essen in seinem Haus. Nach nur 2 Tagen bin ich schon so gut wie adoptiert und kann mich nur schwerlich losreissen, um nach Ellora zu kommen. Aber nicht ohne weitergereicht zu werden. So lerne ich Sadeek kennen und wohne in Guesthaus seines Cousins mitten im Dorf. Abends werde ich eingeladen und so ins richtige Dorfleben integriert. Aber der Tag gehört den Höhlen.
Der Tempelhöhlenkomplex von Ellora mit seinem Nebeneinander von buddhistischen, hinduistischen und jainistischen Bauwerken gehört zweifellos zu den eindrucksvollsten Monumenten indischer Kunst und Architektur und ich brauche meine Zeit um die 34 Bauten zu erkunden. Alleine in dem grössten sogenannten Kailash Tempel hat man in knapp 100 Jahren 200.000 Tonnen Stein raus gemeisselt, und das nicht mit einer Hilti! Dagegen sind die Felsenkirchen von Lalibella in Äthiopien eine Kinderarbeit.
Zwei Tage brauche ich bis Hampi. Zwar nur knapp 700 km aber auf kleineren indischen Strassen liegt der Schnitt  nicht höher als 50 km pro Stunde. Zu viele Hindernisse, zu viele Schlaglöcher. Konzentration pur.
Ich traue dem alten Lonely Planet und werde enttäuscht. Besser der eigenen Intuition folgen. So finde ich wieder mal den schönsten Platz mit allem was ich brauche. Hampi ist schon was. Der Ort wirkt durch die Bemühungen des Staats, in den nächsten Jahren Hampi Basar auszulagern, etwas abgewrackt. Die Umgebung aber ist magisch. Da sind die tollen Tempel fast zweitrangig. Auf einen der Hügel zu kraxeln und sich stundenlang die unglaubliche Landschaft anzugucken bringt die innere Ruhe zurück. Ohne Yoga und all dem anderen. Die Landschaft meditiert für dich. Ich bleibe wieder einmal länger. als ich wollte. Lerne jeden Tag gute Leute kennen, mit denen ich eine gute Zeit verbringe. Dann aber reicht es auch hier und die Hummeln im Ars… verlangen ihren Tribut. Muss mal wieder an die Küste. Ich treffe Nine, eine dänische Yogalehrerin, die eigentlich  woanders hinwollte. Wir verabreden uns kurzerhand in Gokarna, einem wunderschönen Küstenort im Norden von Karnataka. Ich kann sie mit all dem Gepäck nicht auf Rosie mitnehmen,Bus ist angesagt,  aber durch mein langsames Fahren durch die tolle Berglandschaft komme ich wieder mal genau zu ihrem Eintreffen an. Ohne viel Gepäck erkunden wir die Jog Falls. Oder das, was wir von den Jog Falls sehen können, denn es ist Sonntag und unzählige indische Familien tummeln sich um die natürlichen Pools am Grund der höchsten Wasserfälle Indiens. Speziell Nine erlebt einen Spiessrutenlauf, lange blonde Haare sind bei indischen Jungs als Facebookfoto sehr begehrt.
Nach ein paar Tagen muss Nine weiter zu ihrem Yogakurs und ich breche mir mal eben an einigen Felsen im Wasser den grossen Zeh.
Super, Zwangspause, so komme ich in keinen Schuh. Aber es gibt schlimmere Orte, um zu genesen. Ich sitze den ganzen Tag am Wasser und gucke in die Wellen oder beobachte mit einem Grinsen die Inder bei ihren unorthodoxen Schwimmversuchen. Die meisten können nicht schwimmen und auch hier ertrinken jedes Jahr so einige.
Dann spricht mich ein mehr wie ein Rasta aussehender Inder auf Rosie an. Aus einem kurzen Gespräch wird ein langes. Auch er ist Fotograf, Motorradfahrer und Reisefreak. Wie sagt man so schön, der Beginn einer grossen Freundschaft. Venkatesh, Leonie, eine junge Münchnerin und ich sind die nächsten Tage nicht aus unseren Gesprächen zu reissen. Irgendwann ist auch diese schöne Zeit zu Ende. Leonie muss nach Deutschland zurück und Venkatesh nach Bangalore. Da ich noch einige Sachen zu erledigen habe ( neues Carnet, Kamerareparatur, Thaivisa)
nehme ich seine Einladung an, bei Ihm und seiner Freundin Snea, auch Fotografin, wohnen zu können.
Sobald ich wieder in meine Stiefel komme, mache ich mich auf den Weg nach Bangalore.
Und dann bin ich so zu sagen ein Mitglied einer indischen WG. Ausser Venkatesh und Snea, gibt es auch noch Dhanya, eine Textilingenieurin und Coffee einen jungen Rottweiler.
Bangalore ist nicht wirklich typisch indisch. Hier hat man Geld aus der IT Branche und man zeigt es. Es gibt alles: etliche Malls, ein Hard Rock Cafe, Micro Brauereien, tausende guter Restaurants und Kneipen. Eigentlich eine Stadt zum Party machen, wäre da nicht das paradoxe Gesetz der konservativen Regierung, dass um 23 Uhr Schluss mit Lustig ist. Muss man halt früh anfangen…
Nach ein paar Tage reicht es. Venkatesh hat da einen Freund, Naturfotograf, der eine Lodge im Dschungel unweit von Ooty betreibt. Da wollen wir hin und der Hektik und dem unsäglichen Verkehr von Bangalore entfliehen.
Wieder 6 Stunden Fahrt, aber diesmal in einem offenen Jeep. Am Ende bin ich froh, nicht Rosie genommen zu haben. Die letzten Kilometer bis zur Lodge geht ohne Allrad gar nichts mehr. Der Platz ist allerdings magisch. Am ersten Abend erscheinen auf der freien Fläche vor der Veranda über 200 Axishirsche  und grasen friedlich für Stunden.
Ausserdem hat die Migration der Schmetterlinge eingesetzt. Millionen von ihnen fliegen bei Sonnenschein um uns herum. Wir trecken durch den Wald, sehen Herden von Elefanten und Bisons, Wildschweine und mehr Hirsche, aber keine Grosskatzen.
Also übernachten wir in einem Baumhaus, wurde dort doch der letzte Tiger gesichtet. Tja, was soll ich sagen, wir hören ihn, sehen ihn aber nicht.
Wieder zurück nach Bangalore. Aber die WG Zeit ist vorbei. Familie ist zu Besuch und ich schlafe im Hotel. Deshalb mach ich mich auf nach Cochin, von wo ich Rosie nach Thailand verschiffen will. Auf halber Strecke werde ich noch von Gowtham, einem GS 1200 Fahrer bewirtet und er begleitet mich am nächsten Tag noch ganze 100km. So ist die Fahrt auf dem Highway nicht ganz so eintönig.
Tja und da bin ich nun und schlage mich wieder mal mit der indischen Bürokratie rum. Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle……Inder

 

Auf dem Hippie-, Drogen-, Terrortrail

Gute 550km bis Bam. Trotzdem bin ich schon am frühen Nachmittag im Akbar Guest House und werde herzlich von Mohammed, dem Besitzer, willkommen geheissen. Bis auf ein paar Iraner bin ich der einzige Gast. Es verirren sich nicht mehr so viele Reisende hierher, bemängelt Mohammed. Zum einen ist das Wahrzeichen der Stadt , die Arg, durch das Erdbeben von 2003 komplett zerstört worden und befindet sich im Wiederaufbau und dann wollen auch, aufgrund der Sicherheitslage, nicht mehr viele durch Pakistan fahren.
Schlechte Zeiten für das hiesige Hotelgewerbe. Boomen tut nur der Handel mit den angeblich besten Datteln der Welt, für die Bam auch noch über die Landesgrenzen berühmt ist. Liebhaber dieser Frucht kommen bis aus dem Irak um hier einzukaufen. Und wirklich, sie sind ein Genuss. Prompt wird in meiner Anwesenheit ein kleiner 10 Tonnen Deal eingestielt und ich muss auch noch als Verkoster herhalten. Meine Aussage„ ich würde sie kaufen“ reicht und alle sind glücklich. Ich dann auch, später auf Toilette.
Bis auf einen grossen Schutthaufen in der Nähe des riesigen Friedhofs und den Ruinen der Arg erinnert nicht mehr viel an das verheerenden Beben vor 10 Jahren. Die Bammer haben sich nicht unterkriegen lassen und alles wieder aufgebaut. Dabei sind die Zahlen erschütternd. In nur 16 Sekunden wurde die Hälfte der Einwohner getötet und eine Stadt in Schutt und Asche gelegt.
Bei den 43.000 Opfern waren auch zwei Touristen aus dem Akbar Guest House. Mohammed selbst war 5 Stunden verschüttet.
Aber schon kurze Zeit später startete er wieder mit einer aus Zelten bestehenden Herberge.
Er hilft mir den kommenden Tag, benötigte Kleinteile für Rosie zu organisieren und auch sonst fühle ich mich mehr wie ein Familienmitglied als ein Tourist.
Trotz der extremen Schäden ist der Besuch der im Wiederaufbau bestehenden Arg ein Erlebnis. Man brauch nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie atemberaubend diese grösste Lehmstadt einmal gewesen ist, aber auch, wie viel Arbeit noch von Nöten ist, um diesen Zustand wieder herzustellen.
Zum Abschluss besuche ich noch ein Waisenhaus, in dem Kinder, deren Eltern dem Erdbeben zum Opfer gefallen sind, untergebracht sind und verbringe eine tolle Zeit mit dem Beantworten unzähliger Fragen in einer vorbildlichen Einrichtung. Spenden sind mit Sicherheit erwünscht, aber wenn ich ehrlich bin, habe ich in Afrika weitaus mehr Bedarf erlebt.
„Fahr ganz früh morgens, dann bist du schnell in Pakistan ohne Eskorte im Iran und schaffst es noch bis Dalbandin“ so Mohammed.
Also 7 Uhr los und alles klappt mit einem regelmässigen netten Winken die 300km bis Zahedan, ohne das ich einen Aufpasser verpasst bekomme. Aber dann kriegen sie mich doch noch. Die letzten 50km bis Mirjaveh darf ich partout nicht alleine fahren. Problem nur, die Jungs haben keine Fahrzeuge und bei mir passt keiner mehr drauf. Also machen die Soldaten auf Anhalter und ich muss irgendwelchen Trucks hinterher gondeln. Da fühlt man sich doch so richtig sicher.
Gefühlte 10 Stunden später habe ich dann die Grenzformalitäten über mich ergehen lassen und sitze in einer Lehmhütte in Pakistan.
Die Levies, sogenannte am Arsch der Welt Polizei( in den Städten heissen sie dann Police) , müssen mich eskortieren, habe aber auch keine Fahrzeuge. So tucker ich erstmal einem Moped mit Kalaschnikow hinterher. Irgendwann ist uns das beiden dann zu blöd, und er lässt mich ziehen. Die Strasse ist eine Katastrophe, die Hitze kocht das Hirn, aber die Landschaft beeindruckt trotz der Monotonie der Wüste. Die Berge in Richtung Afghanistan ( nur 60km entfernt) flimmern nur in der Ferne und muten an wie eine Fata Morgana. Ich habe noch 3 Stunden Licht und will bis Dalbandin und gebe Rosie die Sporen.
Und dann überholt mich ein Hilux bei 120km/h, stellt sich quer vor meine Bahn und ein wutschnaubender Fettsack kommt auf mich zugestürmt. „ Its forbidden to drive after 5 pm for foreigners in Pakistan. You have to come with me.“ Tüss Dalbandin, wilkommen freie Übernachtung mit Abendbrot.
Der Typ ist das Paradebeispiel eines kleinen pakistanischen Polizeichefs. Kaum in seinem Polizeiquartier angekommen, wird erstmal delegiert und seine Lakaien springen. Zwei Plastikstühle werden für uns im Hof drapiert. Mit einem Schnippen kommen Tee und Zigaretten, dargeboten von seinen Untergebenen mit dem Festhalten des rechten Ellbogens als Geste der Unterwürfigkeit.
Nach einem Frage und Antwortspiel und einigen Schleimauswürfen seinerseits, steht er unvermittelt auf, beauftragt mein Wohlbefinden( Essen, schlafen auf dem Dach) und vermacht sich.
Ich freue mich schon auf eine entspannte Nacht unter dem grandiosen Sternenzelt, mach es mir schön kuschelig auf dem Dach.
Aber scheinbar habe ich die letzte genuschelte Aussage meines feisten Neufreunds nicht so richtig verstanden. „Habt ein Auge auf ihn!“ muss es geheissen haben.
So schläft halt die halbe Brigade mit auf dem Dach. Durch meinen Kumpel Connie bin ich ja einiges in Sachen Schnarchen gewohnt, aber das übertrifft dann doch alles.
Gerädert weiter. Aber langsam. Pünktlichkeit ist eine Tugend, aber nicht hier. Kann man den Jungs auch nicht verübeln. Sie haben für ihren Distrikt von 200km Grenzregion einen altersschwachen Hilux, der nach dem gestrigen Highspeed Überholmanöver komplett im Ars… ist und kein anderes Fahrzeug. Sie verdienen 150€ im Monat, wohnen in einer Schabracke, Essen müssen sie selber organisieren und machen ihre Überwachungstouren auf 150cc Mopeds ( privat). Das motiviert.
Die Fahrt nach Dalbandin ist dann auch sehr beschwerlich. Die Levies versuchen ihr bestes mich durch das Land zu begleiten. Aber das leidige Problem mit den nicht vorhandenen Fahrzeugen stellt meine Geduld auf eine harte Probe. Manchmal denken sie sich wohl, der alte Knacker ist es eh nicht wert und lassen mich alleine ziehen. Dann kann ich geniessen, habe nicht ständig den Staub und Sand von vorausfahrenden Fahrzeugen im Gesicht.
Aber dann wieder ein paar Verantwortungsbewusste und schon dauert es. In Dalbandin sind beide Seiten so genervt, dass für denTag Endstation angesagt ist. Das Hotel Al-Dawood ist günstig und ok, Essen lecker, es gibt Dal, mein Leibgericht und nach fast 4 Wochen das erste Bier… es schmeckt noch! Nicht so toll: neben meinem Zimmer stirbt gerade ein Opi in Anwesenheit seiner Familie. Bei offener Tür versteht sich. Ich geh erstmal essen. Als ich wieder hochkomme, wird das Zimmer gerade sauber gemacht.
Ich kehre wieder zurück zu Tee, so schmeckt kein Bier, und verbringe meinen Abend mit einer Delegation aus Islamabad, die das schlechte Bildungsniveau in Baluchistan untersuchen soll. So bekomme ich mit, dass es hier einen regelrechten Bürgerkrieg gibt , denn die Baluchis wollen unabhängig werden. Bekommen nichts aus Islamabad, haben aber fast alle Bodenschätze. Deshalb auch wenig Geld für Bildung. Dummheit ist biegsam. Free Baluchistan!!!
Klar stehe ich gespornt und geschniegelt vorm Hotel und warte um 7 Uhr auf meine Eskorte, die nicht erscheint. Fünf Tees später kommt ein auf 2 Pötten laufendes Wrack, dem ich folgen soll. The same procedure as…..
Die Strasse nach Quetta toppt alles. Ich frage mich, was ich an der Infrastruktur in Afrika auszusetzen hatte. Ausserdem hätte ich gerne Baldrian in meinen 100 Wartetees, um nicht irgendwann die Contenance zu verlieren. Aber ich würde ja die falschen anmaulen. So fülle ich an jedem Checkpoint brav zum x-ten mal die Registrierkladden mit meinen Angaben aus ( meine Fotokopien werden ignoriert) und übe mich in innerer Meditation.
Das Quetta zu einer der gefährlichsten Städte auf diesem Planeten gehört, merke ich schon aufgrund der zunehmenden Aufrüstung meiner Aufpasser. Die letzten finalen Kilometer bis zu meinem Hotel folge ich einem gepanzerten Fahrzeug mit Blaulicht und Sirene und einem Typen im Ausguck, der die Situation durch das Visier seines Maschinengewehrs in Augenschein nimmt. Nicht gut.
Das Bloom Star Hotel ist dann aber ein Ort der Ruhe.
Ich habe keine Lust mehr auf Polizeibegleitung. Man will,dass ich mir eine sogenannte NOC hole. Irgendeine Registrierung mit der ich weiterhin Anspruch auf Security habe. Dauert aber einen Tag. So mache ich mich auf eigene Gefahr auf den Weg. Gerade der Pass nach Quetta soll besonders gefährlich sein. Ich merke davon nichts, trinke an der einen oder anderen Fernfahrerkneipe mit den freundlichen Kapitänen der Landstrasse meine Tees und geniesse das alleinige Fahren durch die wilde Landschaft. Dann kommt die Ebene und die Hitze. Sibi soll angeblich der heisseste Ort Asiens sein. Dem stimme ich gerne zu. Seit dem Sudan habe ich so etwas nicht mehr erlebt. Ich kann kaum atmen und Rosie muss trotz 50er Öl und offenerer Ventile auch hart kämpfen.
Und dann kriegen sie mich wieder. Nach 350km werde ich angehalten und darf nur mit Eskorte weiter. Aber die hat es in sich. Zwei Rentner in Uniform auf einem altersschwachen Moped, dass gerade mal 40kmh läuft. Einer von ihnen hat wohl noch für die Engländer gekämpft, denn sein Gewehr stammt definitiv aus dieser Zeit. Klar,die können mich mit Sicherheit gegen eine Horde bis zu den Zähnen bewaffneter Taliban verteidigen. Die fallen höchstens mit Herzversagen vom Moped. Ich gucke mir das ein paar Minuten an und mach mich mit einem höflichen Gruss aus dem Staub. Spass kommt aber dennoch nicht auf. Die letzten 80km bis Sukkur sind die Hölle. Der Highway ist eine genauso lange Dauerbaustelle. Keiner arbeitet aber alles ist aufgerissen. Nur Schlaglöcher und Staubpiste. 3 Stunden brauche ich, sehe aus wie noch nie zuvor in Afrika. Nur die Moyale Road im Norden Kenias war schlimmer.
Ich komme zum Red Carpet Hotel in Sukkur und will erstmal Geld vom ATM. Keiner funktioniert. Komm zurück, kein Strom. Armes Pakistan. Das ist wirklich ein 3. Welt Land mit Atomwaffen. Selbst in Afrika muss man diese Zustände suchen. Auf die Frage, warum das so ist, wo das Land doch viele Bodenschätze hat, heisst es einstimmig: Korruption.
Wieder Fahrt ohne Begleitung und dieses mal auch die gesamte Strecke. Zumindest sind die Strassen im Bundesstaat Punjab einigermassen. Wieder über 400km , aber eintönig und anstrengend. Die lahmen bunten Trucks beherrschen die Strasse und fahren, wie sie wollen. Um voran zu kommen, überholt man, wo man gerade kann. Mittel und Randstreifen mit eingerechnet. Permanentes Zick Zack fahren.
In Multan gibt es dann erstmal kein Hotel. Entweder viel zu teuer, oder belegt. Das Zee Palace ist zwar auch über meinem Budget, hat aber die drei wohl hübschesten Rezeptionistinnen, die mir jemals untergekommen sind. Und sie haben einen Narren an mir gefressen. Die Schleier fallen, sie werden noch hübscher und flirten, was das Zeug hält. Da ist der Preis dann schnell vergessen.
Langweilige Fahrt nach Lahore. Es ist drückend heiss. Die Jugend kühlt sich in den Kanälen der Stadt ab. Ich würde noch nicht einmal meine Füsse in diese Kloake halten. Schnell finde ich das Regal internet Inn, beziehe mein sehr einfaches Zimmer und werde sofort in Beschlag genommen von Francis. „ Hey, you want to know anythink about Pakistan, ask me“ Klar will ich und ich werde fündig. Francis ist Geschichtsprofessor aus Australien, reist aber lieber, als gelangweilte Studenten zu unterrichten. Macht er halt bei mir. „ You can not leave Pakistan without seeing the Northern Region, no way„ Nach nur einem Abend seiner Überzeugungskraft ist klar, ich muss noch ein bisschen bleiben. Wir verabreden uns in Islamabad auf dem Tourist Camp Site um weiter zu reden und wirklich, ich bin noch nicht einmal 3 Stunde da ( bin unerlaubt den motorway gefahren), trifft er auch schon ein. Aber erst geht es mir darum, mein Visum für Indien und damit die Weiterfahrt, zu organisieren. Das Tourist Camp ist zwar schön, aber leider komplett runtergewirtschaftet. Sanitäre Anlagen, oooppps, das Wasser aus nie gereinigten Tanks bringt garantierten Durchfall. Soll jetzt besser werden, man arbeitet dran. Kann aber dauern.
Ich also zu den Indern. Wie immer freundlich und mit dem Angebot“ You bring registration letter from Germany, you can have Visa in one day. Dann die Deutsche Botschaft „Solche Dienstleistungen können und wollen wir seit geraumer Zeit nicht mehr erbringen“ ich „ Ich möchte so schnell wie möglich aus Pakistan raus, also warum keine Hilfe mit dem sicheren Indien Visum“. Antwort. „Sowas machen wir nicht, aber wenn sie sich bedroht fühlen, fliegen wir sie gerne raus.“ ich ( auf pashtun)„ Fick dich, du bürokratisches Arschloch“ Ich hau ab und beschliesse, meine Fahrt in den Norden ohne Reisepass fortzusetzen. Der geht an Visatronix, eine Agentur, die in 10 Tagen das Visum organisiert,„ for sure“. Ich hoffe, ich komme alleine mit Hilfe meiner Passkopien durch alle Polizei und Militärkontrollen, no risk no fun . Mit Franz, einem 67 jährigen Biker auf seinem Weg von Indien nach Deutschland, will ich nach Gilgit. Er hat dieselbe Tour schon 1999 gemacht. Jetzt halt noch mal um zu sehen, was sich verändert hat. Ich finde das cool. Er ist ein wirklicher old school biker. Früher Moto crosser, immer noch Veteranernrennfahrer mit BMWs. Wenns im Blut ist, machst du nichts…..
Bei ihm ist es drin. Reisen und Bikes. 9 bis 10 Stunden auf dem Moped, kein Problem. Der Karakorum Highway oder auch KKH ist mit Sicherheit eine der spektakulärsten Strassen, die man auf diesem Planeten fahren kann. Man sollte schon schwindelfrei sein, denn Leitplanken sucht man vergebens und beim Überholen ist der Abgrund nur Zentimeter entfernt. Auch die Angst, dass einem einer der zahllosen Felsüberhänge auf den Kopf fallen könnte, sollte man verdrängen können, um die unglaubliche Kulisse zu geniessen. Nicht immer ganz einfach, denn etliche Felsbrocken auf der Strasse bezeugen, dass dies jeder Zeit passieren kann. Ein paar Erdrutsche werden gerade mit Baggern weggeräumt und wir müssen immer wieder überladene Kleinbusse durch den Matsch schieben. So erklärt sich auch eine mickrige Durchschnittsgeschwindigkeit von nur 30km/h. Aber nach 2 1/2 Tagen haben wir es endlich geschafft.In Gigit gibt es nur einen Platz, wo man bleiben sollte. Quayums Serene Guest house. Wo findet man sonst einen pakistanischen Hippie, der sich zur Aufgabe gemacht hat, Reisende in seinem kleinen Paradies zu verwöhnen? Er war in den 70zigern auf Ibiza und überall dort. wo die Post abging. Jetzt freut er sich mit seinen 6 Kindern ( alle aufgeschlossen und smart) über uns Traveller. Mich aber zieht es nach einem Tag Erholung am Pool weiter Richtung Norden, nach Karinmabad. Hier ist der KKH von den Chinesen bereits mit einem neuen Belag versehen. Das soll in den kommenden Jahren auch mit dem Rest passieren. So kann ich so richtig schön cruisen und muss nicht unentwegt auf eventuelle Hindernisse achten. Kurz hinter Karimabad ist dann Schluss mit der Herrlichkeit.Ein riesiger Erdrutsch hat einen künstlichen See gebildet und die Strasse unter sich begraben.Will man Richtung China, muss man eine Fähre bezahlen. Autos auf einem kleinen Boot. Kein Problem. Abenteurlich.
Wohin man auch in Karimabad schaut, immer hat man einen 7000der zum Greifen nah vor sich. Wie mickrig sind dagegen doch unsere Alpen.
Franz und ich schmieden einen Plan. Wir wollen von Skardu über die Deosai Ebene, nahe der indischen Grenze, nach Astor fahren. Angeblich sind die Hängebrücken in Ordnung und die Piste offen.
„ Ohhhh, the roads are very gooood.“ Shit. Das sollte einen immer stutzig machen. Von Skardu fahren wir in 8 Stunden nur härteste Horrorpiste über Geröllfelder. Und dann, auf der 4000m hohen Ebene, kommt der Matsch. Ich fahre mich fest, brauche 5 Mann um Rosie rauszuhiefen. Irgendwann kommen Landcruiser und sagen„ No go “ Also zurück und bei 4000 m pennen. Ich bin enttäuscht, denn aufzugeben ist eigentlich nicht meine Sache. Ich nehme mir vor, irgendwann wiederzukommen und diese Strecke mit einem leichteren Moped anzugehen.
Wir fahren Astor von der anderen Seite an und machen noch einen kleinen Abstecher zum Rama Lake, einem Gletscherse. Dann die schlechte Nachricht. Die Taliban haben gerade unweit von Astor 10 Bergsteiger umgebracht. Ihr neues Anschlagsziel sind Touristen und die Regierung hat Angst. Eigentlich wollte ich noch ins Swat Valley, aber da diese Region schon immer eine Talibanhochburg war, sagt das Militär nein. Wir werden aufgefordert schnellstmöglich nach Islamabad zurückzukehren, denn man kann nicht mehr für unsere Sicherheit garantieren. So sitze ich an meinem Geburtstag 9 Stunden im Sattel. Tolle Kiste. Wir machen halt in Murree, einer Hillstation unweit der Hauptstadt und einem begehrten Urlaubsziel der Pakistanis. Aber was den Urlaubern hier gefällt, ist für mich der blanke Horror. Ich komme mir vor, wie auf dem Jahrmarkt. Menschenmassen, Verkehrschaos, Marktschreier, die ihren chinesischen Nippes anpreisen. Hilfe, ich will zurück in die ruhige Bergwelt!
Aber ich habe eine Mail, dass mein Visum für Indien endlich da ist. Also wird es Zeit, ein Häuschen weiter zu ziehen. Nach meinem Abschied von Franz, der noch auf sein Iran Visum warten muss, heisst es in Wagah: Willkommen in Indien.
Pakistan ist mit Sicherheit ein schwieriges Reiseland, die Strassen sind schlecht,Internet ist ein Fremdwort , Strom selten vorhanden. Aber trotz allem, gerade in den nördlichen Regionen, gibt es kaum ein Land, das es mit der unglaublichen Gastfreundschaft und der grandiosen Landschaft aufnehmen kann. Ich komme wieder.

Von Tehran bis in die Wüste

Eigentlich hatte ich mir das schlimmer vorgestellt. In der Innenstadt von Tehran komme ich relativ zügig voran, kein Vergleich zu Städten wie Kairo. Mit Hilfe meines GPS stehe ich dann auch bald vor dem Hotel meiner Wahl, dem Khayyam im ältesten Teil der Stadt. Bett, Internet und einen sicheren Abstellplatz für Rosie, mehr brauche ich nicht. Dazu sind das Personal und der Besitzer noch ausserordentlich freundlich und hilfsbereit.
Das mit dem Internet ist aber so eine Sache im Iran. Die meisten ausländischen Nachrichten- und Blogseiten sind gesperrt. So auch meine. Wundert mich schon, habe ich bislang doch nur positives zu berichten…
Da hilft nur das herunterladen einer speziellen Software und schon klappts auch mit den Seiten der Staatsfeinde.
Ich bestelle mir für den nächsten Morgen ein Taxi, um meinen Pass vom DHL Office abzuholen. Es ist im Iran schwer zu sagen, was ein Taxi ist und was nicht. Zwar gibt es auch gekennzeichnete gelbe Fahrzeuge, aber viele Autobesitzer besuchen ihr spärliches Einkommen mit dieser Dienstleistung etwas aufzubessern.
So auch der mindestens 80jährige Opi, der sich als mein morgendlicher Fahrer vorstellt. Schon bald bereue ich es, nicht Rosie angeschmissen zu haben. Opi hat nicht nur schon einen Grossteil seines Gehörs eingebüßt, sondern auch die Sicht durch seine Glassbausteine reicht scheinbar nicht mehr so ganz für die Anforderungen des hiesigen Strassenverkehrs. Nachdem wir fast 5 Passanten überfahren und einige Umwege gefahren haben, weil er meine geschrieenen Anweisungen nicht verstand, klettere ich dann doch irgendwann zitternd aus dieser Blechdose und stehe vor dem Wahrzeichen deutscher Tugenden: deutsche Post, ok, DHL. Und wirklich, mein Pass ist da. Es kann also Richtung Pakistan gehen. Danke Sebastian!!
Ich beschliesse, zu Fuss zurück zu gehen, aber nicht ohne vorher einen Abstecher zum Iranian Photography Center zu machen. Hier werden angehende Fotografen ausgebildet und bekommen eine Möglichkeit, ihre Werke zu präsentieren.
Gerade bereiten 5 junge Iranerinnen ihre kommende Ausstellung vor. Es ist schon etwas gewöhnungsbedürftig komplett verschleierte Frauen dabei zu beobachten, wie sie ihre sehr sozialkritischen Bilder drapieren. Wir fachsimpeln noch etwas, ich schiesse noch ein Gruppenbild mit Damen und mache mich auf den Weg.
Kurz vorm Hotel quatscht mich ein adrett gekleideter Iraner an und lädt mich zu einem Tee in sein nahes Appartement ein.
Reza ist im Papierbusiness, sehr gebildet und nach langen Gesprächen muss ich ihm versprechen, mich am kommenden Tag zu melden, damit er mir das alte Tehran zeigen kann. Damit kann ich leben.
Am nächsten Morgen wieder ein Taxi. Dieses Mal nehme ich mir einen Fahrer unterhalb des Rentenalters und komme somit weitaus entspannter zur Indischen Botschaft. Aber ich soll noch zu meinen Herzrythmusstörungen kommen.
Der Raum für die Visavergabe ist gerammelt voll und alle spielen verrückt. Erst als ich mich dem allgemeinen Wahnsinn anschliesse und eine Botschaftsangestellte zwecks Auskunft mit Gewalt in eine ruhigere Ecke zerre, verstehe ich den Grund des Aufruhrs. Man hat seit einer Woche schon keine Verbindung zu Delhi und kann deshalb keine Visa ausstellen.
Alle sind schwer genervt. Ich auch, randaliere noch ein bisschen mit und beschliesse diesem Ort des Unvermögens den Rücken zu kehren und mein Glück in Islamabad zu versuchen.
Im Hotel überlege ich, einige Klamotten für die vergangenen kalten Tage nach Deutschland zu schicken. Werde ich erstmal wohl nicht mehr brauchen und sind sperrig.
Also ab zum Hauptpostamt. Soll ja bis 7 Uhr auf haben und es ist ja erst kurz nach 4. Ich betrete die riesige Schalterhalle und stelle fest, dass bis auf den Pförtner nur noch eine Burka kräftig auf einer alte Schreibmaschine rumhackt.
So werde ich aufgeklärt, dass man zwar bis 7 Uhr auf habe, aber keiner sooo lange arbeiten wolle. Tolle Nummer, ziehe ich halt mit meiner Alditüte wieder ab.
Dafür besänftigt mich Reza mit einer tollen Sightseeing Tour durch das unbekannte abendliche Tehran.
Ich schaffe es dann doch noch mein Paket abzuschicken und starte Richtung Esfahan.
LangweiligeAutobahnfahrt bis Qom, dem Ort wo Khomeini bis zu seinem Exil gelebt hat. Hier ist auf einmal Ende mit Autobahn und ich verfahre mich gnadenlos, bis ich die Nebenstrasse nach Esfahan finde.
Zeitgleich kommt ein Sandsturm auf und ich habe Probleme Rosie auf der Strasse zu halten. Im 45 Grad Winkel neige ich mich gegen den Wind und werde dabei noch gesandstrahlt. Haarig wird es, wenn man in und aus dem Windschatten der grossen LKWs fährt. Gott sei Dank ist Rosie ein schweres Mädchen und lässt sich so schnell von nichts umhauen.
Esfahan ist ein Traum. Wird hier irgendwann mal Bier erlaubt, mache ich hier eine Kneipe auf. Denn das ist das einzige, was fehlt. Nicht das Bier,das auch, aber allgemein die Möglichkeit im ganzen Iran, sich mal in ein Strassencafe zu setzen.
Man will keine Zusammenrottung von Menschen. Könnten ja auf komische Gedanken kommen.
Aber es gibt schon kuschelige Cafes und Restaurants hinter verschlossenen Türen und ich finde sogar ein verstecktes Open Air Hinterhofcafe, Treffpunkt vieler anders Denkender.
Hier treffe ich Fathima, Studentin, Englischlehrerin und Tour Guide in Personalunion, die sich meiner annimmt und mir die Stadt zeigt.
Das Esfahan eine Unmenge an sagenhaften Baudenkmälern zu bieten hat, ist hinlänglich bekannt. Aber was mich am meisten fasziniert ist die Tatsache, wie grün es hier ist. Umgeben von karger Landschaft wandelt man hier eigentlich immer unter einem Blätterdach. Es gibt unzählige Parks und Grünflächen in denen ausgiebig dem Iranischen Hobby gefrönt wird, dem Picknick und man der Hektik des Alltags entfliehen kann. Das wirkt sich auch auf die Mentalität der Bewohner aus. Alles ist sehr relaxt. Bis auf meine Wenigkeit. Ich werde schon wieder auf zu viele Tees eingeladen und mein Coffeinpegel ist permanent im roten Bereich.
Irgendwann frage ich Fathima, warum so viele Frauen mit verbundenen Nasen durch die Gegend rennen. Ich bereue meine Frage sofort, denke an häusliche Gewalt, die bekommen halt zu Hause gut auf die Zwölf. Aber sie macht mich auf andere Frauen aufmerksam und prustet ein bisschen in sich hinein. Und wirklich haben viele Ähnlichkeit mit Michael Jackson. Nasen OPs sind des Rätsels Lösung. Neuer Trend, sagt sie. Natürlich ist schöner, denke ich mir im Stillen, und bin froh, dass zumindest Brustvergrösserungen bei den Klamotten keinen Sinn machen.
Ich will auf dem Weg nach Shiraz durch die Zagros Berge . Und natürlich habe ich wieder einen kleinen Sandsturm. Die Sicht könnte daher besser sein, aber trotz allem ist die Strecke grandios. Fruchtbare grüneFlusstäler umgeben von kargen orange leuchtenden Bergen ziehen an mir vorbei. Im Hintergrund liegt noch Schnee auf dem ganz hohen Bergmassiv. Dazu noch tolle kurvenreiche Strasse. Erst kurz vor Shiraz holt mich die Realität in Form von Verkehrschaos wieder ein und ich erwache aus diesem schönen Traum.
Ich finde die Hauptstrasse, den Zand, nicht und bleibe entnervt an einem Kreisverkehr stehen. Und dann treffe ich die iranische Version von Don Quichote und Sancho Panza, die aus einem Auto aussteigen und mir ihre Hilfe anbieten. Nasir ist 1.90cm gross, hager und kämpft ohne Erfolg gegen alles, was mit der jetzigen Politik zu tun hat und Riar sein untersetzter, kleiner Freund und Taxifahrer. Die beiden adoptieren mich und ich werde sie die nächsten zwei Tage nicht mehr los. Nasir ist Fremdenführer, der sich permanent verläuft und mit seiner zerstreuten Art alles etwas ins Chaos stürzt. Aber auf eine liebenswerte Art, die man sofort ins Herz schliesst.
So bekomme ich auch hier alle Sehenswürdigkeiten auf dem Tablett serviert , muss Nasir immer wieder zurückhalten jeden nicht sofort reagierenden Iraner als „son of a bitch“, seinem englischen Lieblingswort, zu titulieren und habe eine lustige Zeit mit diesen beiden Faktoten. Am Ende wollen sie mich auch nach Persepolis, DER historischen Stätte Irans, begleiten.
Es sind nur 40km bis dorthin, aber wieder schaffen es die beiden, sich zu verfahren. Ich setze mich vor das Taxi und geleite uns sicher zur World Heritage Site.
Ich bleibe einen Tag länger als geplant. Erstens ist Persepolis wirklich beeindruckend und zweitens liegt meine Hütte in einem kleinen parkähnlichen Wäldchen und ist ideal zum Ausspannen nach all der Hektik der Städte.
Auf der Fahrt nach Yazd, einer berühmten Wüstenstadt auf dem Weg an die Pakistanische Grenze, besuche ich noch die Gräber so namhafter Persönlichkeiten wie Xerxes, Darius und Cyrus des Grossen um mich dann wieder in den Bann der Zagros Berge ziehen zu lassen. Die sich die Berge hochschleppenden LKWs mit ihren extremen Ausstoss von verbranntem Öl trüben den Genuss nur gering.
In der Hoffnung, in Yazd noch einen Mitfahrer für Pakistan zu finden, steuere ich die Traveller Unterbringung, das Silk Road Hotel, an.
Und wirklich, es steht eine GS 1200 vor der Tür. Aber es soll über die Nordroute gehen. Wieder kein Glück. Dafür treffe ich Franziska und Henning, die 2 Jahre in Delhi gearbeitet haben und mit ihrem Landy auf der Rückreise nach Deutschland sind. Sie geben mir viele Tips für Pakistan und lassen mich schon etwas beruhigter an die kommenden Wochen denken.
Yazd ist ein guter Ort um die Seele baumeln zu lassen. Man schlendert durch die engen Gassen der Altstadt, die überwiegend aus Lehm erbaut ist, setzt sich in die Innenhöfe der Cafes und trinkt ein islamisches Bier( alkfrei), oder klettert auf eines der Flachdächer und überblickt die von Windtürmen, so genannten Badgirs, übersäte Skyline. Und wie sollte es anders sein, es gibt wieder unzählige historische Bauten zu erkunden.
Aber morgen kommt der Abschied und es steht nur noch Bam, die durch ein Erdbeben zerstörte Stadt, als Station auf dem Weg nach Baluchestan an.

Durch das wilde Kurdistan nach Tehran

Die Ereignisse überschlagen sich. Ich bekomme den reference code aus Tehran zugemailt und begebe mich sofort zur Botschaft. Eigentlich nur gedacht für ein 2 wöchiges Transitvisum, fragt mich die nette Frau doch, wie lange ich denn gedenke, im Iran bleiben zu wollen. Solange es geht, ist meine schnelle Antwort und prompt gibt sie mir doch wirklich 30 Tage.
Und dann gewinnt der BvB auch noch haushoch gegen Real. An diesem Abend gehen so einige Efes über den Tresen.
Leicht verkatert mache ich mich auf den Weg nach Erzerum, denn ich möchte vor der Einreise in den Iran noch etwas vom Kurdengebiet  und vor allem den Van See mit seinem türkisfarbenen Wasser sehen.
Der Weg nach Erzerum ist gepflastert mit langen Baustellen, die auf grausamen Nebenstrecken umfahren werden wollen. Ausserdem muss ich über einige Höhenstrassen, die mir irgendwie zeigen, dass meine Afrika Ausstattung nicht für dieses Klima geeignet ist. Ich hab schon alles übereinander gezogen was ich habe, sehe aus wie das Michelin Männchen, friere aber trotzdem wie ein Schneider. Das das hier eines der besten Skigebiete der Türkei ist, wird mir dann auch schnell klar.
Ich finde ein nettes Hotel mit sicherer Parkmöglichkeit für Rosie, schliesse noch eben Freundschaft mit einem deutsch sprechenden kurdischen Arzt, der auch hier wohnt und begebe mich auf Erkundungstour in den Ort. Nach dem ich festgestellt habe, dass es definitiv nichts zu erkunden gibt, kommt mir der grandiose Einfall, noch etwas Geld aus dem ATM zu holen. Und dann nimmt das Unheil seinen Lauf. Es gibt tausende von Geldautomaten in diesem Kaff, und ich suche mir ausgerechnet den aus, der meine Karte frisst und mich blöde guckend mit einer Servicenummer stehen lässt.
Also zurück und meinen neuen Freund holen. Meine rudimentären Türkisch Kenntnisse reichen nicht aus, um das andere Ende der Serviceleitung mit Schimpfworten zu überhäufen. Mein neuer Kumpel macht das schon sehr gut, hat aber leider wenig Erfolg. Mit rotem Kopf macht er mir klar, es sei Freitag Abend und bis Montag könne mir leider niemand helfen. Jetzt sitze ich hier 2 Tage fest in diesem gottverlassenen Nest..
Montag stehe ich pünktlich zur Bankenöffnung in Motorradkluft im Schalterraum und verlange fluchend die Rückgabe meiner Kreditkarte, sodass die Sicherheitsleute schon ihre Hand am Revolver haben. Aber es wirkt. Nach nur 5 Minuten sitze ich wieder auf Rosie und ziehe nur noch einen Kondensstreifen hinter mir her.
Wieder wird es schattig aber immerhin scheint die Sonne und die Strecke ist alles andere als langweilig. Umgeben von schroffer Felsenlandschaft  und grünen Hochweiden mit majestätischen Bergen  im Hintergrund schlängelt sich die Strasse Richtung See. Und dann liegt er vor mir, der Van See. Die Bilder lügen nicht. Ganz im Gegenteil. Der Kontrast des blauen Himmels, der weissen Bergkuppen und des türkisen Wassers ist atemberaubend.
Van selbst gilt als die Drogenhochburg der Türkei und hat, bis auf eine schöne Burg, nicht viel zu bieten.
Beim Anschauen des BvB Rückspiels gegen Real sterbe ich noch kurz an Herzversagen und mache mich dann auf zum Grenzort Dogubeyazit.
Kurz nach Erklimmen einer erneuten Passhöhe ist er plötzlich vor mir:  der Ararat. Mann, endlich sehe ich mal einen von diesen Berggiganten auf meiner Reise. Wo ich den Kilimandscharo und Mount Kenia nur im Nebel erahnen konnte, erstrahlt der Ararat bei bester Sicht nun förmlich vor mir. Und von meinem Fenster aus darf ich sogar noch bis zum Sonnenuntergang  diesen gigantischen Anblick weiter geniessen. Das nenne ich doch mal Zimmer mit Aussicht. Daran sollen sich so einige Reisekatalog Anbieter mal ein Beispiel nehmen.
Der nächste Tag beginnt mit erhöhtem Blutdruck. Lassen die Iraner mich rein? Immerhin habe ich verschwiegen, dass ich mit dem Motorrad komme, und nicht im Reisebus. Noch 30 km zittern und dann werd ich es wissen.
Tja, und was ich dann zu wissen bekomme ist: die Türken lassen mich nicht so einfach raus!!
Ich darf nur  innerhalb von 180 Tagen 90 Tage in der Türkei sein.  Ich bin aber schon kurz nach meiner Knie OP wieder eingereist und bin damit seit einem Monat illegal im Land. Uups.
Die Polizisten sind aber äusserst nett, erklären mir, ich müsse eine Strafe von 250€ bezahlen, machen aus den 30 Tagen nur 14 Tage, sodass ich beim nächsten Mal ohne Visum einreisen darf. Die Strafe kann ich auch dann zahlen. Ansonsten hätte ich eine Türkeisperre von 5 Jahren. Ich entschliesse mich für eine Zahlung beim nächsten  Besuch, feixe noch ein bisschen mit den Uniformierten über das Borussenspiel ( jeder kennt den BvB) und begebe mich mit dem Ausreisestempel zum Zoll.
Dort der nächste Donnerschlag. Laut Gesetz darf ich mein Fahrzeug maximal ein halbes Jahr im Land lassen, ohne es verzollen zu müssen. Das hat sich bis hierher aber wohl noch nicht rumgesprochen. Man beharrt auf 3 Monaten und will Zoll. Ich will nicht . Nur ein freundlicher Beamter kennt das Gesetz, ist auf meiner Seite und versucht, mein Recht einzufordern. Leider trifft er bei seinen ignoranten Vorgesetzten auf Granit. Nach 5 Stunden des Besuches von mindestens 20 Büros und des endlosen Wartens zahle ich entnervt 50€ und kann die Grenze des Horrors endlich verlassen.
Wenn das auf der Seite der Iraner so weiter geht, Prost Mahlzeit.
Aber weit gefehlt. Ein freundlicher Zöllner begrüsst mich, lässt mich an seinem Schreibtisch Platz nehmen und fordert die notwendigen Papiere, also Pass, Fahrzeugschein und Carnet. Er delegiert seine Leute, wir halten derweil einen netten Plausch und in nur 20 Minuten ist alles erledigt. Man schaut noch nicht einmal in mein Gepäck. Welcome in Iran!
Draussen treffe ich Gaby und Eric aus der Schweiz auf ihrer GS 1200. Auch sie sind verblüfft, aber glücklich über das schnelle Prozedere. Noch schnell Geld getauscht( 1€ = 45.000Rial) und ab geht es in den nächsten Ort um erstmal einen Willkommenstee zu trinken. Ich könnte nach der Grenzerfahrung eher einen Schnaps gebrauchen…..
Wir entschliessen uns, noch eine Motorradversicherung abzuschliessen. Man wird zwar nie danach gefragt, aber passiert irgendwas, hat man die Ars…..karte. Und innerhalb des Landes bekommt man nur schwer eine für nur einen Monat.
Dann nach Maku. Bei Ankunft weisen uns schon freundliche Autofahrer den Weg zum Hotel, das für 11 € schon aussergewöhnlich luxuriös ist. In Zukunft heisst es wohl, auf mein Ankunftsbier verzichten zu müssen. Ich schütte mir also eine Kanne Tee rein und werde dabei sogar von einer netten, jungen Iranerin mit Kopftuch unterhalten. Geht doch…
Nun habe ich ja eigentlich genug Zeit, mir das Land etwas genauer anzuschauen. So entschliesse ich mich, in das Aras Valley an der Grenze zu Azerbaijan zu fahren, angeblich eines der Highlights im Nordwesten des Landes. Bis Jolfa eher langweilig kommt irgendwann der Grenzfluss in Sicht und ab hier wird es für Motorradfahrer traumhaft schön. Ich treffe die Schweizer wieder, die mich zu einem Picknick mit Vollkornbrot und Raclette Käse einladen. Nach diesem unerwarteten kulinarischen Genuss cruisen wir gemeinsam die Serpentinen am Fluss entlang.
Die Dämmerung rückt näher und ich entdecke eine am Hang gelegene Baustelle einer entstehenden Ferienanlage.
Nach einem kurzen Gespräch mit Händen und Füssen erhalten wir die Erlaubnis, hier unsere Zelte für die Nacht aufzuschlagen.
Bei einem Dinner mit erneutem Käse und Graubrot und Thymiantee unseres Gastgebers fallen mir vor einem schon fast kitschigen Sonnenuntergang langsam die Augen zu. Was ein Klischee.
Nach kurzer Verabschiedung mach ich mich auf nach Tabriz. Der Verkehr nimmt immer weiter zu und wird in der Millionenstadt zum Chaos. Jeder fährt, wie er will. Fahrspuren und Verkehrsschilder werden ignoriert. Es gibt zwar vereinzelt Richtungsschilder auf Englisch, das nächste ist dann aber wieder auf Farsie und ich stehe wieder ahnungslos da. So geht das eine ganze Weile, bis ich einen coolen, mit schwarzer Lederjacke bekleideten und Ray Ban bebrillten
Motorradcop auf einer komplett abgehalfterten alten Honda 750 treffe. Ich frage nach dem Weg und er sagt kurzerhand, ich solle ihm folgen. Mit zeitweiligem Einsatz seines Blaulichts bahnt er uns den Weg zu meinem Hotel und verabschiedet sich mit einem kurzen Kopfnicken. Rosie wird mal eben in der Empfangshalle geparkt und alles ist geritzt.
Ich will mir in Tabriz eigentlich nur den grossen überdachten Basar anschauen, der von der Unesco als Weltkulturerbe ausgezeichnet ist, und mache mich auf den Weg.
Schon nach kurzer Zeit habe ich mich in den Gewölben komplett verlaufen und lass mich einfach nur durch die Gänge treiben. Überall werde ich aufgefordert, die verschiedensten Köstlichkeiten zu probieren, Tee zu trinken, Zigaretten zu teilen oder einfach nur ein Foto von den Shop Besitzern zu machen. Aber auch immer erst, nachdem sie erfahren haben, dass ich Deutscher bin. Als solcher hat man im Iran ein wirklich unglaublich gutes Image, man könnte fast sagen, sie lieben uns und glauben an eine verwandtschaftliche Beziehung beider Länder.
Ich treffe Sina und seinen Kumpel, die mir die Stadt zeigen wollen. Wir verabreden uns für den nächsten Tag, denn für heute reicht es mir. So viele neue Bekanntschaften wollen erstmal verdaut werden.
Sina ist nicht nur Boutique Besitzer, sondern hat auch eine Lizenz als Touristenführer und darf deshalb, ohne Ärger zu bekommen, mit uns Ausländern zusammen sein. Er zeigt mir alte Teehäuser, historische Plätze und Museen, aber die meiste Zeit verbringen wir mit quatschen. Ihn interessiert, wie es bei uns so alles läuft ( natürlich auch mit den Mädels)und mich, wie das Leben im Iran abgeht. Nach gefühlten 5 Litern Tee und haufenweise Kabab wird es für mich Zeit, meine Sachen für den morgigen Tag zu organisieren. 500km Strecke nach Masuleh stehen auf dem Plan. Masuleh soll das schönste Dorf des Iran sein. Aber vorher will ich noch einen Schlenker zum Kaspischen Meer machen. Vielleicht kann ich ja etwas Caviar auftreiben. Der beste kommt aus dieser Region.
Die Autobahn nervt und ist eintönig. Zwar werde ich bei den Bezahlstationen immer freundlich durchgewunken, aber ich nehme schon den ersten Abzweig nach Miyaneh und fahre lieber Landstrasse. Fast kein Verkehr, gewohnt schöne Landschaft. Was will man mehr. Kurzer Snack in Miyaneh, umringt von Schülern in Uniform mit einem Haufen Fragen.
Und dann weiss ich, was ich mehr will: gewohnt gute Strassen. Ich quäle mich auf Schotterpisten einige Passstrassen hoch. Dafür bin ich allein und kann die Sinne über das Panorama schweifen lassen. Nach Khalkhal halte ich an einem kleinen Cafe auf einen Tee und werde mit einem Hitlergruss empfangen. Dafür besänftigt mich ein kleiner Junge mit einem Ständchen auf seinem Saiteninstrument.
Es geht bergab Richtung Kaspischem Meer und ich tauche aus der vegetationslosen Zone in dichte Wälder ein. Einige Jugendliche auf ihren 150er Mopeds wollen mich zu kleinen Rennen auffordern und rasen mit halsbrecherischem Tempo an mir vorbei. Ich spiele einmal kurz mit und greife sie mir, verfalle dann aber wieder in meinen gewohnten Cruiserspeed.
Arme Rosie, muss sie noch mein spätpubertäres Verhalten ausbaden. Hat schon genug zu kämpfen, das alte Ross.
Kaum habe ich die Berge hinter mir gelassen, bin ich auf einmal in einer anderen Welt , wähne mich in Südostasien.
Bis das Auge reicht erstrecken sich Reisfelder, auf denen Menschen mit grossen Basthüten die Pflanzen einsetzen.
Endlich der Abzweig nach Masuleh. Wieder schlängelt sich die Strasse die Berge hoch. Nach 25 km stehe ich vor einem pittoresken an den Hang gebauten Dorf aus lehmverputzten Häusern. Ein Schlepper leitet mich an den englisch sprechenden  Medi weiter und bald bin ich Mieter eines für mich alleine viel zu grossen Apartments. Egal.
Er nimmt mich mit in den Basar und ich verliebe mich sofort in diesen schnuckeligen kleinen Ort. Kleine Gassen mit Läden , Cafes und Restaurants winden sich den Hang hoch. Die Dächer der unteren Häuser sind die Wege der oberen Gassen. Hier wird kein Platz verschenkt.
Ich treffe David wieder, einen Italiener, den ich schon in Maku getroffen habe. Wir beschliessen, den folgenden Tag etwas in die Berge zu kraxeln. Wir geben bestimmt ein lustiges Paar ab, denn er humpelt, wegen eines kaputten Fussgelenkes, genauso wie ich durch die Landschaft. Durch dichtes Unterholz bahnen wir uns den Weg den Berg hinauf, immer auf der Hut vor Wildschweinen. Denn die gibt es hier ohne Ende, isst ja keiner hier.
Masuleh ist latut Aussage der Iraner einer der lockersten Orte Irans. Wenig Polizei und keine Sittenpolizei lassen Liebespaare scharenweise anpilgern. Hier darf man Händchen halten und kann sich mal auf die ein oder andere Lichtung im Wald zurückziehen…..Auch die Kleidung der Frauen ist wesentlich bunter und der Schleier fällt schon mal in den Nacken.
Wir bleiben noch einen Tag zum Relaxen und werden noch von Hamid und seinem Kumpel zum Essen eingeladen. Viele Infos über den Iran und nette Musik auf der Tar, einem traditionellen Saiteninstrument.
Dann aber weiter nach Tehran. Ich muss zu DHL, meinen Pass abholen. Der Verkehr wird immer dichter, je näher ich der Hauptstadt komme. Dabei habe ich mir als Reisetag den Freitag, also Feiertag, ausgesucht. Möchte gar nicht wissen, wie das sonst abgeht. Bin gespannt auf den Moloch Tehran.