Rosie is back
Posted in Uncategorized on February 6th, 2012 by adminÜbermorgen soll es dann endlich soweit sein. Das Schiff ist in Kapstadt angekommen und der Augenblick naht, an dem Rosie wieder das Licht der Welt erblicken darf. Das ich diesen Augenblick noch miterleben darf. Jetzt ist es halt nicht Namibia sondern Südafrika geworden. Na immerhin. Besser als Le Havre ( war mal im Gespräch).
Am 21.01. bin ich in Windhoek gelandet. Gerade rechtzeitig, um der aufkommenden Kälte zu entfliehen. Windhoek empfängt mich mit moderaten Temperaturen, denn es ist Regenzeit, und viel Langeweile. Gleicher Backpacker, gleiches Zimmer. Deja vu. Ich habe Corinne, eine Französin, kennengelernt und zeige ihr ein bisschen die Stadt. Und treffe Jörg, einen Landwirt aus dem hohen deutschen Norden, der schon das 10te Mal in Namibia ist und versucht seinen mitgebrachten Toyota Landcruiser hier registrieren zu lassen. Auch er muss warten und wir beschließen, uns die Langeweile zu teilen. Mit ihm fahre ich etwas durchs Land. Er kennt Hans und Franz und so komme ich in den Genuss, die größte Milch produzierende Farm, als auch die kleinste Brauerei des Landes, und deren Besitzer, kennenlernen zu dürfen. Aber immer noch keine Gewissheit, wo der Container letztendlich anlandet. Nach 5 Tagen habe ich die Nase voll und fliege nach Kapstadt. In zweierlei Hinsicht eine gute Entscheidung. Zum einen stellt sich heraus, dass die Fahrzeuge dann doch hierhin kommen, zum anderen kann man die Zeit hier um einiges besser totschlagen als in Windhoek.
Und dann mal wieder ein Schlag in die Magengrube. Ich treffe Julien, meinen Wegbegleiter auf dem Weg zwischen Nigeria und dem Kongo wieder, und wir beschließen, den Tafelberg, das Wahrzeichen schlechthin in Kapstadt, zu besteigen. Gondelbahn kann ja jeder, also den Männerweg. Hammer Aufstieg. 2 Stunden Natursteintreppen. Aber die Sicht auf dem Weg,und erst recht auf dem Platteau, entschädigen für alles. Runter mit der Gondel, kann ja jeder. Also das ganze bergab. Gerade habe ich noch einen Kanadier verarztet, der ausgerutscht und in die Stacheldrahtabsicherung gefallen ist, um nicht den Berg runterzufallen ( wer ist so blöd, und verbaut Stacheldraht), und schon rutsche ich. Alles kein Ding, wenn ich nicht unglücklich mit meiner linken Hand zwischen zwei Steine kommen würde. Und wieder ist ein Finger der linken Hand gebrochen. Jetzt schon der dritte. Hoffentlich klappt es mit dem kuppeln. Egal, es gibt ja Gafferband.
Kapstadt ist schon sehr nett, wenn man das nötige Kleingeld hat, um hier ein schönes Leben führen zu können. Ich meine nicht mich. Ich habe einen schweine Muskelkater, laufe wie ein Zombie, habe einen gebrochenen Finger und lebe über meinem Budget. Ich hatte keine Lust auf einen Dorm Room mit 16 Leuten und übernachte in einem Stundenhotel für immerhin 30 € die Nacht. Wir müssen noch ein Vermögen fürs Loaden bezahlen und deshalb gibt es nur Schonkost und Museumsbesuche. Ok, und ein paar Gläser Bier. Nahrungsersatz halt. Aber wenn man sich die Villen und Autos anguckt, scheint man es hier ganz gut aushalten zu können…… wenn man weiss ist. Und das ist für mich der Punkt, warum ich hier nicht leben könnte. Namibia ist ja nicht sooo anders, aber es fällt nicht so auf.Aber hier gibt es nur wenige Weisse, die im Dienstleistungsgewerbe als Arbeiter, egal welcher Art, ihr Leben fristen. Schwarz passt auf deinen Porsche auf, Schwarz bringt dir deinen Wein und dein Essen, Schwarz arbeitet für kleines in deiner Firma, aber Schwarz ist auch unzufrieden, hat keine Arbeit und trinkt, nimmt Drogen, überfällt. Klar, ich verstehe. Sehe aber auch Hoffnung von gut ausgebildeten schwarzen Südafrikanern, ohne Hass und mit viel Glauben an die Zukunft. Hoffnung in Kommunikation und Bildung. Kann nur so gehen und funktionieren. Muss. Wenn nicht? Wäre ich anders? Schwer zu sagen. Aber Kapstadt ist recht sicher und auf jeden Fall eine Reise wert. Eigentlich toll, wenn nicht das` aber`.. wäre.
Heute ist dann wohl der Tag X. Ich habe die halbe Nacht nicht schlafen können vor lauter Aufregung. Was wird uns erwarten, wenn der Container endlich geöffnet wird. Wir treffen uns am Hafen mit den Leuten der Abfertigungsagentur und dem Zoll.
Auch die Anderen scheinen keine allzu lange Nacht gehabt zu haben. Die Augenränder erübrigen jeglichen Kommentar. Zu guter letzt haben sie auch noch Juliens Smartphone aus seinem Zimmer geklaut. Er will nur noch aufs Bike und weg. Hat schon sein ganzes Gepäck dabei. Wir müssen noch einmal kräftig in die Kasse greifen, um alle Gebühren zu bezahlen, und dann kommt der Augenblick der Wahrheit. Der grosse Boltzenschneider wird angesetzt um die Plombe zu entfernen, und die Tür geht auf. Totenstille, sechs Augen gaffen gebannt in den Schlund und……es sieht alles so aus wie beim Laden. Klar, alles riecht muffig, auf den Sitzen hat sich Schimmel angesetzt, aber keine erkennbaren Schäden. Die Mopeds springen auch über kurz oder lang an, nur der Land Rover hat keine Kuppelungsfunktion mehr. Er muss später in eine Werkstatt geschleppt werden.
Es ist so schön, wieder auf Rosie zu sitzen und durch Kapstadt zu gliden. Mein Plan für den kommenden Abreisetag steht dann auch schnell fest. Klar muss ich mit dem Moped noch zum Kap der guten Hoffnung. Und dann soll es ins Weinland, nach Stellenbosch, gehen.
Die Routine des täglichen Packens ist nicht mehr so da, alles geht etwas unbeholfen von der Hand, aber irgendwann sieht Rosie wieder genauso packeselig aus , wie immer, und es geht endlich los.
Das links fahren ist bald wieder im Blut, ich gleite über sagenhaft schöne Küstenstrassen dahin, gucke mehr auf das türkisfarbene Wasser als auf den guten, grauen Asphalt träume so vor mich hin und bin schon bald am Cape Point Nationalpark. Eintritt bezahlen und ab zum Cape of good hope.
Klar wäre ich lieber komplett bis hierhin gefahren. Aber ich kann mir nicht vorwerfen, nicht alles versucht zu haben. Und bin trotzdem etwas stolz, jetzt hier zu stehen.Und das ist ja auch nicht das Ende dieser Reise. Ich will ja noch ein Häuschen weiter.
Auch heute. So geht es nur noch mal schnell zum Strand in der Nähe, sehe einigen Weltklassesurfern beim Ritt durch die Wellen zu und ab nach Stellenbosch. Erst noch endlose Strände mit endlosen Reihen von Anglern, dann endlose Townships mit endlosen Wellblechhütten und dann endlich endlose Weinreben. Ich bin im winecountry angelangt und dessen Hauptstadt ist nun mal Stellenbosch. Alte Eichenalleen und alte holländische Häuser, alles stylisch mit, natürlich, Weinkneipen und Restaurants. Stellenbosch ist auch Universitätsstadt und so verwundert es nicht, dass alle Kneipen überquellen mit ausschweifend trinkenden jungen Menschen. Ich schlag mein Zelt im Garten des Stumble In Backpackers auf und ahne schon böses. An eine ruhige Nacht ist hier nicht zu denken. Also gehe ich erstmal mit George und seiner Freundin, den Managern hier, ein paar Bier trinken, hoffe auf später. Aber um 11 ist mein Zelt immer noch umlagert von abfeiernden Travellern. Ich denke an meinen Kumpel Conni, stecke mir Stöpsel in die Ohren und versuche mein Glück.
Das Glück währte nicht wirklich lange. Mit nur ein paar Stunden Schlaf in den Knochen, geht es am nächsten Tag nach Oudtshoorn. George empfiehlt mir die Strecke über Franschoek, Worcester, Robertson, Montagu und Ladismith, der letzte Abschnitt auch bekannt als die Route 62. Es geht durch tolle Weinanbaugebiete mit mondänen Landsitzen, über Pässe, entlang an Seen und durch trockene Gegenden, die anmuten wie New Mexiko. Das war definitiv die richtige Wahl. Die Horden von Bikern geben mir recht. Nach 430km und 7 Stunden erreiche ich das Karroo Inn Backpackers, nehme mir ein Zimmer in diesem mit viel Geschmack eingerichteten Haus, in dem man sich sofort zuhause fühlt und geniesse den Sonnenuntergang nach einer heissen Dusche auf der Veranda. Leider ist mein gebrochener Finger wieder sehr angeschwollen und schmerzt höllisch nach der langen Fahrt und ich muss wohl einen Tag pausieren. Egal, es gibt schlechtere Orte…..












































































































































































































































































































































































































